Seit dem “Hühnerparadies” (s. BP 08/113), das unmittelbar nach der Wende im ländlichen Rumänien spielte und von den Hoffnungen der Bevölkerung in die neue Zeit handelte, ist ein Jahrzehnt vergangen. Emilia ist jene “rote Babuschka”, die von ihrer nach Kanada ausgewanderten Tochter aufgefordert wird, bloß nicht die Kommunisten zu wählen. Der Besuch Alices und ihres kanadischen Ehemanns entwickelt sich v.a. für Emilia zu einem Kulturschock, allzu vieles ist unbegreiflich. Und in der Folge führt die unmissverständliche Wahlempfehlung der Tochter bei Emilia zu einer Bestandsaufnahme ihres Lebens. Voller Nostalgie schönt sie die angenehmen Seiten der Zeit unter Ceausescu und verdrängt die schlechten. Angereichert mit allerlei skurrilen Figuren und köstlichen Anekdoten wird so der Leser gezwungen, sich selbst ein Bild der Verhältnisse zu machen. Vergleiche mit Stimmungen im Osten Deutschlands drängen sich geradezu auf. - Ein mit viel Augenzwinkern erzähltes Buch, das aber auch zum Nachdenken anregt. (Übers.: Jan Cornelius)