Heutzutage werden Normen und Gesetze oftmals überwiegend in ihrer negativen Bedeutung wahrgenommen. Dieser weitverbreiteten Auffassung gegenüber stellen der Benediktiner-Abtprimas Notker Wolf und der Journalist Matthias Drobinski in ihrem gemeinsamen Buch die Zehn Gebote als eine keineswegs einengende, vielmehr geradezu befreiende Wegweisung dar, die in ihrer zeitlosen Gültigkeit auch nicht veraltet, ja in unserer weitgehend orientierungslos gewordenen Gesellschaft sogar eine besondere Aktualität besitzt. Allerdings können diese Gebote dem Menschen nur dann eine hilfreiche “innere Orientierung” geben, “wenn sie einsichtig realisiert werden, wenn es um ihren Sinn geht und nicht um einen Buchstabengehorsam”. Deshalb dürfen die Zehn Gebote auch nicht herausgelöst werden aus dem biblischen Gesamtzusammenhang, der im Ersten wie im Neuen Testament immer wieder von einem Gott spricht, der die Menschen liebt. Nach einer einführenden kurzen Geschichte der Entstehung und der Rezeption der Zehn Gebote werden die Gebote jeweils einzeln betrachtet und in ihrer besonderen Bedeutung für den modernen Menschen erschlossen. Von höchst aktueller Bedeutung ist z.B. das Dritte Gebot um die Heiligung des Sonntags, das klar erkennen lässt, inwieweit dieses Gebot für den Menschen nicht Einschränkung, sondern Befreiung ist. Und am Fünften Gebot zeigt sich, wie die christlichen Kirchen in unserer Gesellschaft für den Schutz des Lebens in allen Bereichen eintreten - und so einen unverzichtbaren Beitrag leisten, den Menschen von einer reinen Nützlichkeitsethik zu befreien. - Die Autoren schreiben bewusst mit sehr klaren, offenen Worten, um einer möglichst großen Leserschaft zu vermitteln, dass die Zehn Gebote, wie der Untertitel formuliert, beides sind: “Provokation und Orientierung für heute”. Dies zu zeigen, gelingt dem sehr lesenswerten Buch auf eindrucksvolle Weise. (“Religiöses Buch des Monats August 2008”)