Als die Protagonistin ihren Geliebten nach dem Konzert mit einer anderen Frau in deren Kutsche steigen sieht, entbrennt ihre Eifersucht. Noch in der Nacht beginnt sie, Brief um Brief an ihn zu schreiben, ohne je Antwort zu erhalten. 24 Stunden lang durchleidet sie Höllenqualen der Liebe und zweifelt an der Treue und Redlichkeit des Geliebten. Sie fühlt sich betrogen, verraten und erniedrigt. Ihr übergroßer Schmerz und ihre Verzweiflung stürzen die junge Frau sogar in Selbstmordgedanken. - Der Briefroman von Constance de Salm entstand 1814 und die Dichterin preist darin die weibliche Gabe zu großer Gefühlstiefe. Sie zeigt aber auch die Abgründe der Seele und warnt, dass das Rasen der Eifersucht und eine allzu lebhafte Phantasie in die Irre führen können, Missverständnisse auf den Plan rufen, der innere Gefühlsaufruhr sogar (selbst-)zerstörerische Folgen haben kann. Höchst kunstvoll konzipiert, ist das Buch eine literarische Wiederentdeckung. (Übers.: Claudia Steinitz)