Der ungarische Kunsthistoriker Robert Singer war in den 70er Jahren mit einem Touristenpass nach Wien gereist, um von dort nicht mehr in das kommunistische Ungarn zurückzukehren. Als stellvertretender Direktor eines Wiener Instituts blieb er auch nach dem Zusammenbruch des Kommunismus in Wien, reist jetzt jedoch immer wieder - meist in dienstlichen Angelegenheiten - nach Budapest. Bei einem seiner Aufenthalte dort begegnet er auf der Straße einem ärmlich gekleideten älteren Herrn, der ihn offensichtlich kennt, an den sich Singer seinerseits aber nicht erinnern kann. Aus Verlegenheit lädt er den ihm unbekannten Bekannten zum Mittagessen ein. Als Singer im Gespräch klar wird, dass es sich um seinen ehemaligen Mitschüler Feri K. handelt, ist er in Gedanken schlagartig zurückversetzt in das Jahr 1961 und die Verwicklungen um den damals an der Schule neu gegründeten “Gagarinklub”. - In wohltuend klassischer Erzählweise schildert der ungarische Autor anhand eines eigentlich recht unbedeutenden Vorfalls unter Abiturienten auf subtile Weise, wie die Menschen in einem totalitären System vielfach gezwungen waren, zwischen berechtigten Eigeninteressen einerseits und Solidarität und Freundschaft andererseits ihren persönlichen Weg zu finden, der je nach dem Ausmaß an Bereitschaft zu Verrat oder Treue Karrieren fördern oder zerstören konnte. Ein heiter-melancholischer Roman, den man gerne liest und der seine Leser nachhaltig beeindruckt. Sehr empfohlen! (Dt. Bearb. von Elsbeth Zylla nach einer Rohübers. von György Dalos)