24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Stephan Thome

Grenzgang

Roman. Ausgezeichnet mit dem Aspekte Literaturpreis 2009SUHRKAMP, 2009
Hardcover, Gebunden
2009. 453 S. 21,5 cm

MedienNr.: 562936

ISBN-10: 3518421166
ISBN-13: 9783518421161

€ 22.80

Borro-Rezension[mehr]

Die Geschichte einer Frau und eines Mannes, deren Wege sich wiederholt kreuzen und die sich zum Schicksal werden.

Kerstin, eine Frau Mitte 40, geschieden, alleinerziehend wohnt mit ihrer pflegebedürftigen Mutter in einer hessischen Kleinstadt, in der sie zu ersticken droht. Nichts aus ihrem Studium gemacht zu haben und die Verletzungen aus einer gescheiterten Ehe kratzen an ihr wie die Jahre, die ihr durch die Finger zu rinnen drohen. Thomas, dessen Ehrgeiz, an der Universität Karriere zu machen, nicht mit Erfolg gekrönt war, ist ebendort Lehrer und dem Leser schnell sympathisch. Nach einer gescheiterten Beziehung lebt er, ungeachtet vereinzelter Internetbekanntschaften, als Single. Durch das Fehlverhalten von Kerstins Sohn Daniel, dessen Lehrer Thomas ist, werden die Protagonisten zu einem Treffen veranlasst. Die Handlung spielt während der Fußballweltmeisterschaft in Deutschland 2006, was inhaltlich und sprachspielerisch immer wieder vergegenwärtigt wird. Der Roman erzählt aus dem eingefahrenen Alltag dieser Frau und dieses Mannes, die an ihre Grenzen stoßen und entscheiden müssen, ob sie diese zu durchbrechen wagen. Grenzgang eben. Dadurch, dass der Erzähler immer wieder in vergangene Jahre rückblendet, spannt er den Bogen über 21 Jahre. Diese Verwebung der Biographien der Hauptfiguren ist ein bemerkenswerter erzählerischer Kunstgriff. Im Aufeinandertreffen der Figuren lässt der Autor seine Protagonisten reflektieren und Perspektiven jenseits verlorenen Glücks ausloten. Wie sensibel dabei auch weibliche Wahrnehmung nachempfunden wird, ist bemerkenswert. - Die Geschichte ist in einer Sprache abgebildet, die eigen, aber eingängig ist und schnörkellose, neue Vergleiche findet, die eigene Erfahrungen facettenreicher machen. Durch dieses Gesamtkonzept werden Nebenhandlungsstränge, die die Frauenfreundschaften Kerstins beleuchten und klischeehaft daherkommen, und das etwas schale Happy End wettgemacht. Ein Buch, das wie ein Blick durch das Schlüsselloch in das weibliche und männliche Seelenleben ist. - Nominiert für den Deutschen Buchpreis 2009.

Christine Vornehm
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