24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Clemens J. Setz

Die Frequenzen

Roman. Ausgezeichnet mit dem Bremer Literaturpreis 2010RESIDENZ, 2009
Hardcover, Gebunden
2009. 714 S. 21 cm

Detailinformationen

MedienNr.: 321459

ISBN-10: 3701715157
ISBN-13: 9783701715152

€ 24.90

Borro-Rezension[mehr]

Hintergrundrauschen: Setz’ hochfrequenter und synästhetischer Roman erkundet die Tonlagen der menschlichen Vorstellungswelt.

Clemens J. Setz, 1982 in Graz geboren, ist einer der jungen Autoren, die mit viel Vorschusslorbeeren ins literarische Feld geschickt werden. Sein Debütroman “Söhne und Planeten” (2007) kam bei der Kritik gut an, 2008 war er beim Bachmann-Wettbewerb erfolgreich (Ernst-Willner-Preis), 2009 steht sein zweiter Roman auf der Longlist des Deutschen Buchpreises. Es ist kein leicht zu lesendes und deswegen auch schwer nachzuerzählendes Buch. Im Mittelpunkt stehen der verhinderte Schauspieler Walter und der in einem Altersheim arbeitende Pfleger Alexander, beide Valerie verbunden, die in der steirischen Landeshauptstadt als Psychotherapeutin eine Praxis für bessere Lebensführung leitet. Daneben gibt es Hellseher, Mörder, Stararchitekten, herrenlose Hunde und sprechende Dinge. Doch durch dieses Panoptikum schräger Existenzen lassen sich bei aufmerksamer Lektüre Verbindungslinien ziehen. Walter und Alexander kennen sich seit Kindheitstagen, ihre Beziehung grundiert die Erzählung. Das stille Zentrum des Romans sind die im Titel genannten “Frequenzen”, die man oft nicht hören und nicht sehen kann (“Immerhin existiert die Welt aus Geräuschen zwischen 20 und 20.000 Hertz und elektromagnetischen Wellen von 400 bis 800 Nanometern Länge”). Diese Frequenzen bestimmen die nicht kausal und chronologische strukturierte, sondern in bunter Folge ablaufende Handlung: als verführerischer Sirenengesang der Liebe, als Tonlage mütterlichen oder väterlichen Sprechens, als Tinnitus oder auch nur als Mobiltelefonat. Es geht darum, diese Frequenzen auszubalancieren oder nur mit ihnen zu leben. Wer sich dafür die Zeit nimmt, kommt in diesem sprachgewaltigen, manchmal etwas mäandernden Familien-, Großstadt- und Rätselroman durchaus auf seine Kosten, etwa bei der Beschreibung einer Sonnenfinsternis oder beim Nacherzählen der “Zauberflöte”. Für größere Bestände empfohlen.

Michael Braun
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