14.06.2012

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Das Seminar vermittelt Praxiskonzepte zu den nominierten Titeln des Deutschen Jugendliteraturpreises. Im Rahmen dreier unterschiedlicher Workshops werden kreative Vermittlungsmethoden zu den Nominierungen in den Sparten Bilder-, Kinder- und Jugendbuch erarbeitet. [mehr]

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„Wenn wir nicht ab und zu was Verrücktes tun, können wir uns gleich begraben lassen." Mit diesen Worten kommentiert eine Kellnerin Harolds Vorhaben, zu Fuß 1000 Kilometer quer durch England zu laufen. Dadurch will er eine ehemalige Arbeitskollegin vor dem Krebstod retten, bei der er tief in der Schuld steht. Mich hat der Satz angesprochen, weil er von der Sehnsucht nach Lebendigkeit spricht, die in jedem Menschen wohnt. weiter

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Weisheit der Wüste

Alltag und spirituelle Erfahrungen müssen kein Gegensatz sein. Christoph Holzapfel stellt zu Beginn der Fastenzeit einige Bücher vor, die mit Hilfe der „Wüstenväter“ Wege zu einer alltagstauglichen Spiritualität zeigen. Die „Wüstenväter“ zogen sich in den ersten Jahrhunderten der christlichen Zeitrechnung in die Wüste zurück, um bei sich sein zu können und auf diese Weise Gott zu finden. Der Export ihrer Erfahrungen durch Zeiten und Kulturen hat zu der Einsicht geführt, dass auch eine geringere Dosis Wüste ausreicht, um Gott im Alltag auf die Spur zu kommen.

Sehnsucht nach Stille

Die Sehnsucht nach spiritueller Erfahrung treibt heute viele Menschen um. Sie wünschen sich innere und äußere Stille, um ihre spirituellen Bedürfnisse erfüllen zu können und mit Gott in Kontakt zu kommen. Doch das scheint in unserem durchrationalisierten und oftmals eng getakteten Alltag nahezu unmöglich zu sein. Das Frühstück will gemacht sein, die Kinder müssen geweckt und in die Schule gescheucht werden, berufliche und familiäre Pflichten füllen unseren Alltag aus. Die Niederländerin Miek Pot hat daraus radikale Konsequenzen gezogen und ist in ein Kartäuserinnenkloster eingetreten. Die Kartäuser sind ein Schweige- und Eremitenorden. Die Ordensmitglieder leben vorwiegend in ihren Zellen, allein, schweigend, meditierend. „Mir kam es so vor, als würde die Außenwelt mich von meinem innersten Selbst abtrennen. Ich wollte deshalb diese Außenwelt verlassen und zu mir selbst zurückfinden“, schreibt sie in ihrem Buch „In der Stille hörst du dich selbst“ über ihre Motivation, in ein Kloster einzutreten.

Zwölf Jahre Einsamkeit

Darin berichtet sie im ersten Teil über die zwölf Jahre bei den Kartäuserinnen. Als sie 1987 in den Orden eintrat, war sie 27 Jahre alt. Sie lebte zunächst in einer Kartause in Belgien, wo sie unter vielen Schwierigkeiten in das Leben einer Kartäuserin hineinwuchs. Weil es um ihre Gesundheit nicht gut bestellt war, wurde sie in eine Kartause in Südfrankreich versetzt. Dort blühte sie auf und erlebte die glücklichste Zeit ihres Ordenslebens.

Dann versetzte die Ordenszentrale sie zurück nach Belgien, wo sie mit anderen Schwestern ein neues Kloster aufbauen sollte. Obwohl ihr Leben nun von großer Unruhe geprägt war und sie die Stille und Einsamkeit ihrer Zelle in Südfrankreich vermisste, machte sie in dieser Zeit eine tiefe mystische Erfahrung.

Ausgerechnet diese Erfahrung führte schließlich dazu, dass sie aus dem Orden austrat. „Als Mystikerin musste ich zurück auf den Marktplatz“, schreibt sie (S. 80). Sie sah ihre Berufung nicht mehr länger im Kloster, in der Einsamkeit, sondern darin, anderen Menschen eine solch tiefe spirituelle Erfahrung zu ermöglichen.

Diesem Anliegen widmet sie sich im zweiten Teil ihres Buches. Darin zeigt sie, dass spirituelle Erfahrungen auch ohne eine so radikale Entscheidung möglich sind. Den Weg in die „große Stille“, wie Pot es nennt, beschreibt sie als einen Weg zu sich selbst. „Willst du Gott begegnen, so lerne vorher dich selbst kennen“, zitiert sie den Wüstenvater Evagrius Ponticus. Die „große Stille“ erreiche man am besten über tägliche Meditation, meint sie. Womit sich für sehr viele Menschen wieder die eingangs beschriebenen Schwierigkeiten stellen.

Antonius und die Wüstenväter

Miek Pot lebte bei den Kartäuserinnen in einer Tradition, die auf die ägyptischen Wüstenväter zurückgeht. Sie zogen im vierten Jahrhundert nach Christus in die Wüste, um dort bei sich selbst zu sein – und auf diese Weise zu Gott zu finden. Hans Conrad Zander stellt sie in seinem Buch „Als die Religion noch nicht langweilig war“ vor.

Der bekannteste unter den Wüstenvätern dürfte der Heilige Antonius sein. Sein Kampf mit den Dämonen hat zahlreiche Künstler – von Hieronymus Bosch bis Goethe – inspiriert. An seinem Lebenslauf wird deutlich, wie es den Wüstenvätern gelang, die Wüste fruchtbar zu machen – als Ort des geistlichen Lebens.

Antonius war der Sohn eines wohlhabenden Bauern in Oberägypten. Als seine Eltern kurz nacheinander verstarben, zog er sich in die Wüste zurück. Die Wüste war für die Ägypter die Todeszone, nicht nur, weil man dort verdursten konnte, wenn man die Wege zu den Oasen nicht kannte. Vielmehr war die Wüste das Reich der Dämonen, an dessen Rand die Ägypter gerade noch ihre Toten bestatteten. Antonius zog also in das Reich des Todes und der Dämonen. Wie immer der Kampf gegen die Dämonen zu verstehen ist, den er zu bestehen hatte, ob es sich um eine Auseinandersetzung mit inneren Bildern handelte oder um einen auch handgreiflich ausgetragenen Kampf gegen wohlmeinende Verwandte, die ihn aus der Todeszone zurückholen wollten – Antonius trug schließlich den Sieg davon.
Dieser Sieg begründete seinen Ruhm – mit für ihn unangenehmen Folgen, war er doch fortan ein gefragter, wenn nicht sogar bedrängter Ratgeber. Statt in der Einsamkeit einen Weg zu Gott suchen zu können, sah er sich einem kontinuierlichen Strom von Besuchern ausgesetzt, die ihn sehen oder einen geistlichen Rat von ihm haben wollten. Deshalb floh Antonius tiefer in die Wüste – doch seine Fans spürten ihn auch dort auf.

Die Lösung bestand schließlich darin, zu pendeln. Antonius verbrachte einige Zeit an einem Ort, wo er Besucher empfing, um sich dann wieder in eine Höhle zurückzuziehen, in der er allein sein konnte. Einige seiner Anhänger bewachten den Zugang zu dieser Höhle. Noch heute befindet sich dort, am Berg Kolzim, ein koptisches Kloster.

Die spirituellen Erfahrungen der Wüstenväter haben das Christentum ganz entscheidend geprägt. Ihre Einsichten sind von Generation zu Generation weitergegeben worden und haben auch das europäische Mönchswesen mit seinem Gründervater Benedikt entscheidend beeinflusst.

Der Export nach Europa führte mit der Zeit zu der Einsicht, dass gar kein dauerhafter Rückzug in die Einsamkeit einer Wüste nötig ist, um bei sich selbst zu sein und den Weg zu Gott zu finden. Die Wüste kann man auch dosieren. Dieser Einsicht folgt Miek Pot, wenn sie für den Weg in die „große Stille“ die tägliche Meditation empfiehlt, sozusagen eine tägliche Dosis Wüste. Sie besteht in der jüngeren geistlichen Tradition dann aus einem Tag ohne Termine und Verpflichtungen. Dem Rückzug in die Höhle entspricht dann der Rückzug in die eigenen vier Wände oder in einen anderen geschützten Raum, in dem man bei sich sein kann.

„Deine Zelle wird dich alles lehren“

Eine regelmäßige Dosis Wüste empfiehlt auch die US-amerikanische Benediktinerin Joan Chittister. Allerdings setzt sie den Akzent etwas anders als Miek Pot. Für sie besteht das Geheimnis des Lebens gerade darin, Gott im Alltag zu finden. „Die Ehe, die Arbeit, unsere Kinder und unsere Verpflichtungen – sie alle dienen uns als Entschuldigung dafür, nicht kontemplativ zu leben. Wir gehen mit ihnen um, als besäßen sie keine spirituelle Dimension ...“, schreibt sie in „Das Leben beginnt in dir“ (S. 12). Sie will die Augen ihrer Leser für die spirituelle Dimension ihres ganz gewöhnlichen, oft genug chaotischen Lebens öffnen. Dazu zitiert sie Weisheiten der Wüstenväter und überträgt sie auf die Gegenwart.

Um die spirituellen Dimension des Alltags zu entdecken, brauche es eine kontemplative Haltung, ist Chittister überzeugt. Sie zitiert einen Ausspruch von Abba Moses, der einem Bruder auf die Bitte um ein geistliches Wort zurück in seine Zelle schickte: „Deine Zelle wird dich alles lehren“ (S. 15).

„Kontemplation beginnt, wenn wir lernen, die Augen für das Offensichtliche zu öffnen“, ist ihre Übersetzung der Weisung von Abba Moses. Es kommt darauf an, aufmerksam durch den Alltag zu gehen, auf den Gesang der Vögel zu hören, die Veränderungen in der Natur wahrzunehmen und die Gesichter unserer Mitmenschen.

Alles, was ist, geschieht in der Gegenwart Gottes. Dann geschieht auch der Alltag in der Gegenwart Gottes, das Kochen, Bügeln und Waschen genauso wie das Mitarbeitergespräch oder die E-Mail an einen unzufriedenen Kunden. Die spirituelle Dimension des Alltags öffnet sich, wenn ich mir in jeder Situation die Frage stelle: Was zeigt sich in dieser Situation von Gott? Und welche Reaktion verlangt Gott hier von mir?

Ein Wüstentag

Schwierig? Jedenfalls braucht es dazu etwas Übung, Training oder griechisch: Askese. Die Fastenzeit ist eine gute Gelegenheit dazu. Nehmen Sie sich einen Tag Zeit und gehen Sie in die Wüste. Oder planen Sie mehrere Termine ein, an denen Sie bei sich sein können. Anregungen für diese Zeit finden Sie in Chittisters Buch oder in Andrea Schwarz‘ Buch „Mehr leben!“, das von der Geschichte des Propheten Elia inspiriert ist. Auf unserer Medienliste finden Sie noch weitere Titel, mit denen Sie ihre Wüstenzeit gestalten können.

Zum Schluss sollen noch einmal ein Wüstenvater und Joan Chittister das Wort haben: Abba Sisoes sagte: „Suche Gott, und nicht danach, wo er lebt.“ Für Joan Chittister heißt das: Wir brauchen keine spezielle Technik, um Gott zu finden, kein Yoga, keine Meditation, keine Pilgerfahrt. „Gott ist hier und das Leben ist da, um gelebt zu werden.“ (S. 14) Es kommt darauf an, wie wir es leben.

Christoph Holzapfel

Die Naturbilder auf dieser Seite zeigen Teile des Antelope Canyon, Arizona/USA (Fotos: © Kevin Connors)

Medienempfehlungen

Bild: © Kevin Connors

Die Wüste als spiritueller Ort

Obwohl die Wüste als Todeszone galt, spielt die Wüste für Judentum,  Christentum und Islam eine wichtige Rolle. Das Volk Israel zog 40 Jahre durch die Wüste, Elia zog sich auf der Flucht vor Königin Isebel in die Wüste zurück und begegnete Gott am Berg Horeb (1 Kön 19). Möglicherweise sind der Horeb und der Berg Sinai, wo Mose und das Volk Israel die 10 Gebote empfingen, identisch. Auch für Jesus spielte die Wüste eine wichtige Rolle. Vor Beginn seines öffentlichen Wirkens zog er sich 40 Tage in die Wüste zurück (Mt. 4, 1-11). Mohammed erhielt seine Offenbarungen auf einem Berg in der Wüste. Außerdem lebte er nach der Vertreibung aus Mekka mit seinen Anhängern zunächst in der Wüste.

Bild: © Kevin Connors
Die Versuchung des Hl. Antonius von Matthias Grünewald aus dem Isenheimer Altar. (Bild: Vincent Desjardins / wikimedia)
Antoniuskloster in Ägypten (Bild: Berthold Werner / wikimedia)
Bild: © Kevin Connors
Bild: © Kevin Connors

Medienempfehlungen[mehr]

Borromäus-Ostertipp

Mit Hilfe der „Wüstenväter“ Wege zu einer alltagstauglichen Spiritualität finden: Medienempfehlungen für die Fasten- und Osterzeit [mehr]

Lektüretipps zum Thema Wüste[mehr]

Das Glück der Weite

von Achill Moser
HOFFMANN UND CAMPE(2009)
Hardcover
Fünf Jahre in den Wüsten der Welt ISBN-10: 3455501060 ISBN-13: 9783455501063 MedienNr.: 308760 19.95 €
Borro-Rezension

Der Journalist erzählt von seinen Reisen durch 25 Wüsten der Welt.

25 Wüsten hat Achill Moser durchquert, manche davon alleine, andere zusammen mit seinen Söhnen oder mit kleineren Expeditionen. In seinem Buch schildert er die faszinierenden Landschaften, erzählt von den Menschen, die er dort traf, beschreibt, was i [mehr]

Walter Brunhuber

Wie kommt der Sand in die Wüste?

von Ulrike Berger
FAMILY MEDIA / VELBER BUCHVERLAG(2008)
Hardcover
Verblüffende Antworten über die Wüsten der Welt ISBN-10: 386613570X ISBN-13: 9783866135703 MedienNr.: 308073 10.90 €
Borro-Rezension

Wie wandern Wanderdünen? Wie kalt ist die kälteste Wüste? - Diese und viele Fragen mehr rund um die Wüste werden hier beantwortet.

Band 31 der Reihe “Was Kinder wissen wollen” beschäftigt sich mit der Wüste. In bewährter Art und Weise wird auf jeder Doppelseite eine Frage behandelt - auf der linken Seite steht der Text, ergänzt durch eine kleine Zeichnung, auf der rechten Seite [mehr]

Nicole Hochgürtel

Willi und die Wunder dieser Welt Expedition 2 - Arktis & Wüste, DVD-ROM

UNITED SOFT MEDIA (USM)(2009)
CD-ROM / Diskette
Für Windows 2000, XP, Vista ISBN-10: 3803247179 ISBN-13: 9783803247179 MedienNr.: 562580
Führen wir nicht bzw. nicht mehr. 19.90 €
Borro-Rezension

Mit Willi die Arktis und die Wüste erkunden. (USK: o. A.)

Willi hat sich auf eine Weltreise begeben und dabei einen Kinofilm gedreht. Ein ‘Making-of’ dieses Films, aus dem man erfährt, was während der Dreharbeiten so alles hinter der Kamera passiert ist, befindet sich auf dieser DVD. Dazu gibt es kleine Aus [mehr]

Walter Brunhuber

Wüste

von Star, Fleur
DORLING KINDERSLEY(2007)
Hardcover
ISBN-10: 3831010560 ISBN-13: 9783831010561 MedienNr.: 274757 9.95 €
Borro-Rezension

Informative Reise in den extremen Lebensraum Wüste.

In gewohnt reihentypisch ansprechender Aufmachung präsentiert Dorling Kindersley dieses Sachbilderbuch. Beeindruckend werden die Wüsten dieser Welt vorgestellt. Der Leser erfährt viel Neues. So sind Wüsten nicht immer extrem heiß und ohne jegliches L [mehr]

Ursula Reich
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