24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Gesprengte Luftschlösser

„Vergebung“ ist ein spannender Thriller mit charismatischen Figuren, einer stimmungsvoll-düsteren Bildsprache und einer glaubwürdig entwickelten Handlung. Am 3. Juni kommt die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Stieg Larsson in die Kinos.

Geht doch: Ein Thriller aus Europa, der nicht aussieht wie die schlechte Kopie eines US-amerikanischen Films, der etwas erzählt, was mit unserer Gesellschaft zu tun hat, und trotzdem nicht langweilig und bieder ist. Auch in „Vergebung" geht es wieder um eine politische Verschwörung, um Korruption, Intrigen und Geheimdienstumtriebe, wieder ermitteln der auf Wirtschaftsverbrechen spezialisierte Zeitungsreporter Mikael Blomkvist und die Privatdetektivin Lisbeth Salander. In „Verblendung", dem ersten Teil der Verfilmung von Stieg Larssons „Millennium"-Trilogie, kamen sie zusammen, in „Verdammnis" (hier die Filmdienst-Kritik) wurde die Handlung fortgesetzt. Mit „Vergebung", diesmal unter der Regie von Daniel Alfredson, wird nun ein gelungener Schlusspunkt gesetzt. „Das Luftschloss, das gesprengt wurde", so heißt der Titel des dritten Bands im Original, was eher auf die Spur der Handlung führt als die diffuse deutsche Abschwächung „Vergebung". Denn genau genommen vergibt hier keiner irgendwem, außer vielleicht Lisbeth Salander sich selbst. Auch direkte religiöse Bezüge sucht man vergebens. Vielmehr drücken die „Millennium"-Romane einen grundsätzlichen moralischen Pessimismus, eine Skepsis gegen vermeintliche Wahrheiten und Aufklärung auch da aus, wo sie weh tut. Larsson wie seine Regisseure wollen vor allem die Luftschlösser in der Vorstellung des Zuschauers/Lesers sprengen.

Im Zentrum der Handlung, die auch ohne erklärende Rückblenden durchaus auch für „Millennium"-Novizen verständlich sein dürfte, stehen einmal mehr der melancholische Antikapitalist Blomkvist, der vorzugsweise im Milieu der Reichen und Mächtigen Schwedens recherchiert und deren düstere Geheimnisse zutage fördert, und die seit ihrer Kindheit schwer traumatisierte Detektivin Salander. Beide sind ein merkwürdiges, aber auch faszinierendes Paar. Vor allem Salander ist eine ungewöhnliche Figur: ein Punk, voller Coolness und Härte, aber auch selbstzerstörerisch und riskant - da können all die gut geschminkten Mittelstandsermittlerinnen des deutschen Fernsehens sofort einpacken. Die Handlung kreist erneut um Vorgänge, die nur scheinbar tief in der Vergangenheit schlummern, in Wahrheit direkt unter der Oberfläche der Gegenwart liegen. Diesmal geht es um globalen Mädchenhandel, und der Film setzt dort ein, wo der zweite Teil aufhörte: Salander liegt schwer verletzt im Krankenhaus. Ihr Todfeind Zala lebt noch, und auch der Geheimdienst möchte Lisbeth ausschalten. Gegen Ende mündet der Film dann in ein spannendes Justiz-Drama um die Enthüllung mehrerer Kapital-Verbrechen im doppelten Sinn. Dabei geht es um einen Sumpf aus autoritärer Gesinnung, latentem Faschismus und Paranoia. Es geht um eine Psychoanalyse der höheren Kreise. Insofern ist „Verdammnis" ein „linker" Krimi - ähnlich wie Herbert Reineckers „Derrick"-Folgen, bei denen die Schuldigen fast immer in der Oberklasse der Münchner Nobelvororte zu finden waren. Stilistisch ist dies hier allerdings alles andere als Fernseh-Durchschnittsware. Düster wie ein Horrorfilm, mit dynamischer Handkamera inszeniert wie ein Videoclip, ein Gothic-Märchen, eine Geschichte wie von Edgar Allen Poe oder E.T.A. Hoffmann: Bilder die man lange nicht vergisst, gerade weil sie aus der Mitte unserer Erfahrung stammen. Im Kern geht es um Schuld und Sühne und um die Natur des Bösen. Denn das, was die Form des Faschismus, die hier im Zentrum steht - den latenten einer saturierten Mittelstandsgesellschaft - von allen anderen politischen Ideologien unterscheidet und ihn zu einer Art kollektiver Kränkung des menschlichen Selbstbildes macht, ist, dass hier das Böse selbst zur Macht kam, nicht ein fehlgeleiteter Idealismus, sondern etwas von Anfang an offen Verbrecherisches, durch und durch Menschenverachtendes.

Zugleich führt der Film zu der Frage, warum ausgerechnet in Skandinavien, vor allem in Schweden, so viele Kriminalromane entstehen. Er spielt auf den unaufgeklärten „Palme"-Mord 1986 an, auf Schweden im Kalten Krieg, und führt mitten hinein ins Zentrum einer moralisch repressiven Gesellschaft, in der Rigorismus, puritanischer Reinheitszwang, Verdrängung und Gewissensnarzissmus stärker verbreitet scheinen als anderenorts - und damit auf die Folgen von aufgestauten Leidenschaften, heimlichen Wünschen, Verdrängungen. Ist es wirklich nur Zufall, dass das Land, in dem so viele Unterhaltungs(!)-Bücher über Triebtäter und Frauenmörder entstehen, auch die höchste Vergewaltigungsrate Europas hat? In dem jede fünfte Frau über 15 Jahren schon einmal von einem Mann bedroht wurde, fast die Hälfte aller Frauen schon einmal Opfer von Gewalt wurde? Das Kreisen um Gewissensnöte, Geheimnisse und Abgründe der Seele und verdrängte Vergangenheiten spielt im Film wie bereits im Roman jedenfalls eine zentrale Rolle. Hierin bewegt sich der Film thematisch auf den Spuren des großen Vorbilds Ingmar Bergman.

Rüdiger Suchsland/Filmdienst

„Vergebung“ - Das Taschenbuch[mehr]

Vergebung

von Stieg Larsson
HEYNE(2009)
Taschenbuch
Roman ISBN-10: 3453434064 ISBN-13: 9783453434066 MedienNr.: 311141 9.95 €
Borro-Rezension

Letzter Teil der Trilogie um die Ermittlerin Lisbeth Salander und den Journalisten Mikael Blomkvist.

Wie schon in den ersten beiden Teilen der Trilogie von Stieg Larsson (“Verblendung” MedienNr.: 555482,“Verdammnis”, MedienNr.: 301711) steht die Ermittlerin Lisbeth Salander im Mittelpunkt des Geschehens. Schwer verletzt überlebt sie einen Mordanschl [mehr]

Susanne Holzapfel

„Vergebung“ - Hardcover[mehr]

Vergebung

von Stieg Larsson
HEYNE(2008)
Hardcover
Roman ISBN-10: 3453013808 ISBN-13: 9783453013803 MedienNr.: 286049 22.95 €
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