07.06.2010

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Das Seminar vermittelt Praxiskonzepte zu den nominierten Titeln des Deutschen Jugendliteraturpreises. Im Rahmen dreier unterschiedlicher Workshops werden kreative Vermittlungsmethoden zu den Nominierungen in den Sparten Bilder-, Kinder- und Jugendbuch erarbeitet. [mehr]

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Es gibt Sätze, die Autoren ihren Romanen voranstellen, die mir mehr mit auf den Weg geben und mich länger beschäftigen als der ganze Roman. weiter

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Ein 130-minütiger Cliffhanger

Filmdienst-Kritiker Ulrich Kriest über „Verdammnis“

Weiter geht es mit den Verfilmungen der erfolgreichen Stieg-Larsson-Kriminalromane. Auf „Verblendung" (2009) folgt jetzt „Verdammnis", der zweite Teil der „Millennium"-Trilogie, diesmal unter der Regie von Daniel Alfredson. Erneut geht es um Verbrechen, Recherche und Dinge, die scheinbar in der Vergangenheit schlummern, aber noch sehr vital in der Gegenwart wirken. Diesmal sind es zwei junge Amateure, die über den internationalen Mädchenhandel recherchieren. Sie bieten ihre Erkenntnisse zunächst Mikael Blomkvist und dem Magazin „Millennium" an, bezahlen dafür aber mit dem Leben. Der Tatverdacht fällt auf Lisbeth Salander, die gleichfalls in dieser Angelegenheit nachforscht (wenngleich aus anderen Motiven) und dabei erneut auf ihren Vormund und Vergewaltiger, den Anwalt Nils Bjurman, gestoßen ist. Weil auch Bjurman kurz darauf ermordet wird und die wehrhafte Lisbeth auf seinem Körper ein unmissverständliches Autogramm hinterlassen hat - der Film setzt ganz selbstbewusst darauf, dass der Zuschauer den ersten Teil kennt, und spart sich die umständlichen Erklärungen und Rückblenden, die Stieg Larsson seinen Lesern nicht ersparen wollte -, wird nach kurzer, sehr ökonomisch entfalteter Exposition nach Lisbeth Salander gefahndet - mit internationalem Haftbefehl, wegen dreifachen Mordes. Nur Blomkvist glaubt nicht an Salanders Schuld und beginnt seinerseits, die Angelegenheit zu untersuchen.

Wie in den Sjöwall/Wahlöö-Krimis der 1970er-Jahre zeigt sich rasch, dass die Klientel des Mädchenhändlerrings bis in höchste Polizei-, Mediziner- und Politikkreise führt. Die Fäden laufen bei einem mysteriösen, aber höchst einflussreichen und professionell skrupellosen Geheimdienstler zusammen, dessen Identität offensichtlich von höchsten Kreisen geschützt wird. Doch schon der Deckname „Zala" löst bei Eingeweihten Furcht und Schrecken und kurz darauf Mord und Totschlag aus.

„Verdammnis" knüpft ästhetisch an die kalkulierte Düsternis von „Verblendung" an, setzt jedoch zusätzlich auf die desorientierende Wirkung der mobilen Handkamera und „schockt" mit Szenen expliziter Gewalt. Dennoch gelangt der Film dramaturgisch kaum über einen 130-minütigen Cliffhanger zum finalen dritten Teil „Vergebung" hinaus (geplanter Filmstart: 3.6.). Im Vergleich zu einem durchschnittlichen „Tatort" ist „Verdammnis" zwar durchaus spannend, doch bei der Adaptation der 750-seitigen Vorlage hat man es sich etwas zu einfach gemacht. So beginnt der Film mit Hinweisen auf ein mörderisches Komplott, doch dann entscheidet sich das Drehbuch viel zu schnell, statt der vielen und kompliziert verflochtenen Geschichten lieber nur eine einzige zu zeigen und die anderen lediglich als impressionistische Rückblenden zu skizzieren.

Im Mittelpunkt steht die Biografie Lisbeth Salanders, deren bislang geheimnisvolle Erscheinung nun erheblich aufgeklärt wird - sie ist ein exemplarisches Opfer des in Verbrechen verstrickten staatlichen Machtapparats. Immerhin wurde sie nicht müde, Widerstand zu leisten und ihre Peiniger zur Rechenschaft zu ziehen. Mikael Blomkvist begegnet sie in „Verdammnis" nur kurz und erst zum Schluss, dafür zieht ihre Reise in die Nacht ihrer Kindheit und Jugend zahlreiche Nebenfiguren in einen Strudel voller Gewaltverhältnisse, die doch immer auch Familienverhältnisse sind. „Verdammnis" ist letztlich eine Variation und historische Verortung einer elementaren Misogynie, die bereits „Verblendung" als Originaltitel mit sich führte: „Männer, die Frauen hassen", die Verbindung von Faschismus und Sadismus. Und Lisbeth Salander ist die Frau, die die Männer dafür hasst, einen bestimmten Mann besonders.

Die politische Dimension der Romanvorlage wird zugunsten der Familienanamnese ausgeblendet; stattdessen lebt der Film seinen Sinn für Gothic Horror aus, außerhalb der Städte gibt es stets leere Fabrikhallen und Landhäuser, in denen der Schrecken wohnt. Dort ist das Reich des Supergangsters „Zala" und seines hünenhaften Adlatus - und hier, beim über Gebühr ausgedehnten und dabei doch recht statischen Showdown, kippt „Verdammnis" endgültig in die triviale Filmwelt von Bond & Co., in der schwerverletzte und geschundene Körper sich überraschend immer noch ein letztes Mal erheben.

Was dem Film ebenfalls nicht gut tut, aber den Zeitvorgaben des Formats geschuldet ist, ist die Darstellung des investigativen Journalismus. So faszinierend die Hacker-Fähigkeiten von Salander auch sind, letztlich implizieren ihre mühelosen Erfolge, dass man sich nur eine Viertelstunde an den Computer setzen muss, um sämtliche Verschwörungen dieser Welt aufzudecken. Wenn jemand beim Kampf Techniken zeigt, die auf eine Vergangenheit als Boxer schließen lassen, dauert es keine fünf Minuten, bis dessen Vita (fast) lückenlos ermittelt ist, obwohl die Spur zurück nach Hamburg in die späten 1980er-Jahre führt. Vielleicht ist dieses Vertrauen ins Internet sogar der aufklärerische Impuls der „Millennium"-Trilogie, aber unbefriedigend bleibt dies doch.

Lisbeth Salander (Noomi Rapace), gesucht wegen dreifachen Mordes, kämpft gegen den Rest der Welt Copyright: Yellow Bird Pictures, Foto: Knut Koivisto.
Lisbeth Salander (Noomi Rapace) findet bei Ihrem ehemaligen Vormund Nils Bjurman eine Waffe Copyright: Yellow Bird Pictures, Foto: Knut Koivisto.
Lisbeth Salander (Noomi Rapace) Copyright: Yellow Bird Pictures, Foto: Knut Koivisto.

Die Millennium-Trilogie[mehr]

Verblendung

von Stieg Larsson
HEYNE(2007)
Taschenbuch
Roman. Ausgezeichnet mit dem Skandinavischen Krimipreis 2005 und dem Galaxy British Book Award, Kategorie Crime Thriller of the Year 2009 ISBN-10: 3453432452 ISBN-13: 9783453432451 MedienNr.: 555482 9.95 €
Borro-Rezension

Journalist Mikael und Ermittlerin Salander recherchieren im Auftrag des Onkels nach dem verschwundenem Familienmitglied Harriet Vanger.

Der Wirtschaftsjournalist Mikael Blomkvist macht schwere Zeiten durch. Die Enthüllungsgeschichte über einen schwedischen Geschäftsmann kann er nicht belegen, daher muss er die Verurteilung zu einigen Monaten Gefängnis und eine Geldstrafe hinnehmen. D [mehr]

Erwin Wieser

Verdammnis

von Stieg Larsson
HEYNE(2008)
Taschenbuch
Roman. Ausgezeichnet mit dem Schwedischen Krimipreis 2006 ISBN-10: 3453433173 ISBN-13: 9783453433175 MedienNr.: 301711 9.95 €
Borro-Rezension

Höchste schwedische Regierungskreise sind in kriminelle Machenschaften verstrickt.

Chefredakteur Mikael Blomqvist ist für sein Magazin “Millenium” einem üblen Skandal auf der Spur: organisiertes Verbrechen, Mädchenhandel, Zwangsprostitution, Russenmafia. Gleichzeitig sucht er nach der exzentrischen Lisbeth Salander, mit der er seit [mehr]

Marion Sedelmayer

Vergebung

von Stieg Larsson
HEYNE(2009)
Taschenbuch
Roman ISBN-10: 3453434064 ISBN-13: 9783453434066 MedienNr.: 311141 9.95 €
Borro-Rezension

Letzter Teil der Trilogie um die Ermittlerin Lisbeth Salander und den Journalisten Mikael Blomkvist.

Wie schon in den ersten beiden Teilen der Trilogie von Stieg Larsson (“Verblendung” MedienNr.: 555482,“Verdammnis”, MedienNr.: 301711) steht die Ermittlerin Lisbeth Salander im Mittelpunkt des Geschehens. Schwer verletzt überlebt sie einen Mordanschl [mehr]

Susanne Holzapfel
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