14.06.2012

Preisverdächtig!

Das Seminar vermittelt Praxiskonzepte zu den nominierten Titeln des Deutschen Jugendliteraturpreises. Im Rahmen dreier unterschiedlicher Workshops werden kreative Vermittlungsmethoden zu den Nominierungen in den Sparten Bilder-, Kinder- und Jugendbuch erarbeitet. [mehr]

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„Wenn wir nicht ab und zu was Verrücktes tun, können wir uns gleich begraben lassen." Mit diesen Worten kommentiert eine Kellnerin Harolds Vorhaben, zu Fuß 1000 Kilometer quer durch England zu laufen. Dadurch will er eine ehemalige Arbeitskollegin vor dem Krebstod retten, bei der er tief in der Schuld steht. Mich hat der Satz angesprochen, weil er von der Sehnsucht nach Lebendigkeit spricht, die in jedem Menschen wohnt. weiter

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Tom Sawyer

Ab 17. November 2011 im Kino: Verfilmung des abenteuerlichen Jugendromans von Mark Twain. - Empfohlen ab 10 Jahren

Auch heute noch – nach immerhin 135 Jahren! – fesselt Mark Twains Jugendbuch-Klassiker, in dem der Journalist und Schriftsteller seine eigenen frühen Erlebnisse am Mississippi zu einer stimmungsvollen und detailfreudigen „moralischen Abenteuergeschichte“ verdichtete. Tom Sawyers unbändige, „wilde“ Lebensfreude, seine Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung in Zeiten, in denen die Zivilisation den Verhältnissen immer festere Zügel anlegt, reiben sich lustvoll an der noch jungen bürgerlichen Ordnung, an Rechtsstaatlichkeit sowie religiöser und schulischer Disziplin und entladen sich in den zu „Klassikern“ gewordenen Streichen, die Twain mit ebenso viel Witz wie satirischer Hintergründigkeit ausmalt. Bei allem über die Stränge Schlagen erdet er dabei seine und Toms Aufmüpfigkeit sehr präzise in den sozialen Verhältnissen seiner Zeit, indem er ein klares Bild der Lebensumstände zeichnet, zu denen auch Mord und Totschlag, Lynchjustiz sowie die Kritik an Rassismus und Sklavenhaltung (dies freilich explizit erst in der Fortsetzung „Huckleberry Finn“) gehören. Solche „gewalttätigen“ Erzählmomente, in denen es Twain sehr deutlich um die Unterscheidung von individueller und staatlicher Gewalt geht, drücken dem Roman ihren Stempel auf und machen ihn zum klugen sozialkritischen Zeitgemälde.

Von all dem ist durchaus noch so manches in der neuen Verfilmung vorhanden, die sich viel Mühe gibt, etwas vom Flair des Romans in „groß atmende“ filmische Bilder zu verwandeln. Vor allem wurden viel Energie und Sorgfalt (sowie die entsprechenden finanziellen Mittel) in die Wahl der Drehorte sowie in die aufwändige, betont malerische Ausstattung investiert, die ein Gefühl von urwüchsiger Natur, landschaftlicher Idylle und der typischen Mississippi-Stimmung vermitteln soll. Atmosphärisch hat der Film tatsächlich einiges zu bieten, wenn mal amüsant, mal spannend und mitunter auch (angemessen) bedrohlich die vertraute Handlung illustriert wird: wie der Waisenjunge Tom Sawyer, der bei seiner Tante Polly und deren leiblichem Sohn Sid lebt, mit seinem besten Freund Huckleberry Finn seine Kreise im prosperierenden Handelsnest St. Petersburg zieht; wie die beiden beobachten, dass das zwielichtige Halbblut Indianer Joe nachts auf dem Friedhof den Arzt Doc Robinson ersticht und die Tat dem armen, hoffnungslos dem Alkohol verfallenen Muff Potter in die Schuhe schiebt; wie Tom sein gegenüber Huck geleistetes Schweigegelübde bricht, um Muff vor dem Galgen zu retten; wie sich ihre Freundschaft trotz dieses Loyalitätskonflikts bewährt und sie einen Goldschatz finden, den der rachedurstige, aus dem Gerichtssaal geflohene Indianer Joe in jener großen Höhle versteckt, in der sich Tom und Richtertochter Becky Thatcher am Ende verlaufen.

Das alles (und mehr) ist da, ist sicht-, hör- und erlebbar, bunt und turbulent – und ist doch nur freundlich-harmlose Familienunterhaltung in historischen Kulissen, die weit entfernt ist vom „Feeling“ und Geist des Romans. Irgendwie wird man den Eindruck nicht los, als sei bei der Adaption weniger Twains facettenreiches Buch zugrunde gelegt worden als seien vielmehr die romantisierenden Jugenderinnerungen der Macher an ihre eigene Lektüre verfilmt worden: „Lausbubengeschichten“ halt, die einem einst selbst gefielen und die deshalb auch der heutigen jungen Generation noch gefallen „müssen“. Dabei verlässt sich der Film primär auf das sorgsam rekonstruierte „Milieu“, wobei sowohl die satirischen Spitzen als auch die emotionale Tiefe der Konflikte zwischen individueller Eigenverantwortlichkeit und gesellschaftlichen Zwängen auf altmodisch-betuliche Weise „gemütvoll“ bleiben. Dementsprechend werden der sympathischen Frische der Kinder durchweg farblose, mitunter stereotyp-sterile Erwachsenenfiguren entgegengestellt, die dem modularen Setzkasten des deutschen Family Entertainments entstammen; die nun junge Tante Polly könnte auch als Alleinerziehende „wilde Hühner“ oder vorstädtische „Krokodile“ betreuen, der „dämonische“ Indianer Joe chargiert unentschieden zwischen Mordbube und tragisch umflortem Außenseiter. Andreas Nohls fulminante Neuübersetzung des Romans (2010) erfüllte einfühlsam und respektvoll Twains eigene Kriterien: „Schlichter Stil, überzeugende Dialoge und strikte Vermeidung von allem Gekünstelten.“ Auch die Verfilmung hätte sich daran halten sollen; sie ist zwar „hübsch“ und gewiss publikumsfreundlich, aber nur wenig nachhaltig.

Horst Peter Koll, film-dienst

Das (Hör-)Buch zum Film[mehr]

Tom Sawyer & Huckleberry Finn

von Mark Twain
HANSER(2010)
Hardcover
ISBN-10: 3446235035 ISBN-13: 9783446235038 MedienNr.: 326710 34.90 €
Borro-Rezension

Neue, sehr nuancenreiche Übersetzung eines Klassikers der Weltliteratur.

Dass Mark Twains “Tom Sawyer & Huckleberry Finn” als eines der bedeutendsten Werke der amerikanischen, ja der Weltliteratur gilt und dass es gleichzeitig ein beliebter Jugendbuchklassiker ist, steht außer Frage. Wieso aber eine Neuausgabe, wenn diese [mehr]

Helmer Passon

Tom Sawyers Abenteuer, 1 Audio-CD

von Mark Twain
JUMBO NEUE MEDIEN(2009)
Audio-CD / Cassette
60 Min. ISBN-10: 3833724196 ISBN-13: 9783833724190 MedienNr.: 317835 10.99 €
Borro-Rezension

Neubearbeitung des Jugendbuchklassikers um Tom Sawyer und seine Erlebnisse für junge Hörer.

Mark Twains Abenteuer des Waisenjungen Tom Sawyer und seines Freundes Huckleberry Finn zählen zu den Klassikern der Kinder- und Jugendliteratur. Die Lausbubengeschichte und die Streiche, die vor allem Toms Tante Polly gelten, sind zeitlos und begeist [mehr]

Felix Stenert
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