24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Südafrika 2010 - mehr als Fußball, Elefanten und Gold

Das Land am Kap der guten Hoffnung ist auch literarisch ein reiches Land

Der Regenbogen verblasst. Nelson Mandela wünschte sich Südafrika als „Regenbogennation", in der Menschen unterschiedlicher Herkunft und Hautfarbe friedlich zusammenleben. Das Land hat zwar die Apartheid überwunden, doch der Weg zu einer multikulturellen Gesellschaft ohne Rassenschranken ist steinig und schwer. Ein scharfer Gegensatz zwischen Arm und Reich, Kriminalität, Gewalt und eine ungezähmte Aids-Epidemie prägen die gesellschaftliche Wirklichkeit Südafrikas. Schriftsteller wie John M. Coetzee, Nadine Gordimer oder Damon Galgut haben diese Spannungen zu lebendiger, vielfältiger Literatur verarbeitet. Beate Mainka stellt sie vor. - Auf unserer Medienliste „Südafrika - die 'Regenbogennation'" finden Sie diese und weitere Titel über das Land am Kap der guten Hoffnung.

Zwei Mitglieder im Nobelpreisolymp

Gleich mit zwei Literaturnobelpreisträgern kann Südafrika aufwarten, beide von weißer Hautfarbe, aber in ihrem Herzen der Anti-Apartheids-Bewegung eng verbunden. Nadine Gordimer, die große alte Dame der südafrikanischen Literatur, erhielt ihn bereits 1991 für ihren Widerstand gegen die Rassentrennung, der sehr facettenreich und mitunter ironisch das Grundthema ihrer Romane bildet. 2003 dann durfte ihr männlicher Kollege John Maxwell Coetzee ihr in den Olymp aller Schriftsteller folgen. Sein aktueller Roman „Sommer des Lebens" schließt seine Trilogie autobiografischer Romane ab, in denen er sich aus künstlicher erzählerischer Distanz mit seinem vornehmlich privaten Werdegang im von Apartheid geprägten Südafrika auseinandersetzt. Im eigenen Land eher als verkopfter Literat angesehen, genießt Coetzee im Ausland den Ruf eines Widerständlers.

Zu den Klassikern südafrikanischer Autoren, die in Englisch und Afrikaans veröffentlichen, zählt der 1935 geborene André Brink, der sich in seinen Romanen mit der wechselvollen Geschichte der Kolonialisierung seines Landes auseinandersetzt und der schwarzen Bevölkerung Gesicht und Stimme verleiht. Sein neuer Roman „Kupidos Chronik" erzählt die bewegende, mitunter unglaubliche Geschichte des ersten schwarzen Missionars Südafrikas.

Damon Galgut (Jahrgang 1963), eine der jungen Stimmen des neuen Südafrika, thematisiert in seinen Romanen die veränderten politischen Verhältnisse und deren Auswirkungen insbesondere auf die Lebensumstände der weißen Bevölkerung. Dafür sind ihm bereits einige renommierte Literaturpreise seiner Heimat zugesprochen worden.

Die Suche nach ins Deutsche übersetzten schwarzafrikanischen Autoren gestaltet sich mühsam, selbst Verlage wie der Unionsverlag, Peter Hammer oder Lamuv bieten nur wenig. Immerhin verlegt der Unionsverlag Werke des wunderbaren Zakes Mda, der zu den bedeutendsten Dramatikern seines Landes zählt. Sein Roman „Der Walrufer" spürt den tief greifenden Veränderungen in der ländlichen schwarzen Bevölkerung nach, deren Leben noch weitestgehend traditionell geprägt scheint. Bei Peter Hammer und bei dtv ist jeweils ein Titel des engagierten Journalisten und Autors Lewis Nkosi zu finden, der in Südafrika zu den ganz Großen zählt und bereits in den sechziger Jahren für die legendäre Zeitschrift „Drum" schrieb, die vor ihrem Verbot das Sprachrohr einer lebendigen schwarzen Subkultur war.

Diskriminiert wurden zu Zeiten der Apartheid auch Inder und die coloured people. Mahatma Gandhi hat das zu Beginn des 20. Jahrhunderts am eigenen Leibe zu spüren bekommen - obwohl er ein junger, gut ausgebildeter Anwalt war. Rayda Jacobs (geb. 1947) verleiht diesen Südafrikanern eine eigene Stimme und wer über den Tellerrand der eigenen Vorurteile schauen möchte, dem sei deren aktueller Roman „Bekenntnisse einer Spielerin" empfohlen, in dem eine wache, unabhängige Muslima sich offen und respektlos über die Männer, das Leben und ihre Spielsucht auslässt, mit zum Teil umwerfendem Humor und verblüffender Weltsicht.

Bereits in den sechziger Jahren geschrieben, aber erst 1980 veröffentlicht (in Deutschland 2006) und immer noch von erschreckender Aktualität ist der einzige Roman des Theaterautors Athol Fugard mit dem Titel „Tsotsi". Ein tsotsie - Roger Smith-Leser werden es wissen - ist ein Gangster aus den Townships, der sich einer Gang anschließt, um besser überleben zu können. Bis heute hat sich daran kaum etwas geändert. Als Innenansicht zu Zeiten der Apartheid ist dieser Roman nach wie vor lesenswert, allerdings ist er nicht mehr lieferbar. Dafür dürfte er in größeren Büchereien zu finden sein.

Der Kriminalroman – eine der Säulen südafrikanischer Literatur

Und damit wären wir bei dem Genre der aktuellen südafrikanischen Literatur, das momentan die deutsche Leserschaft ganz besonders in seinen Bann zieht, nämlich der Kriminalliteratur. Roger Smith, bisher Drehbuchautor, hat mit seinen beiden ersten Romanen „Kap der Finsternis" und „Blutiges Erwachen" gleich zwei Bestseller in Folge hingelegt, die ihren Lesern starke Nerven abverlangen. Sein von Gewalt und Aussichtslosigkeit geprägtes Gesellschaftsbild, in dem Schwarze und Weiße, Arme und Reiche gleichermaßen schlecht wegkommen, zeigt die düstere Seite Südafrikas, die im wahrsten Sinne des Wortes zum Himmel stinkt. Das Krimi-Feuilleton jedenfalls überschlägt sich mit Lobeshymnen. Doch nicht erst seit dem letzten Jahr gibt es gute Krimis vom Kap, als einer der besten Thrillerautoren gilt Deon Meyer aus Kapstadt, der laut Tobias Gohlis von der Wochenzeitung „Die Zeit" „ein überragend spannender Chronist einer schuldbeladenen Gesellschaft im Aufbruch" ist. Mit seinem aktuellen Krimi „Dreizehn Stunden" erweist Meyer sich dieser Einschätzung einmal mehr als würdig. Und dann wäre da noch Andrew Brown, einer der jüngeren Krimiautoren, der als Anwalt und Reservepolizist mit „Schlaf ein, mein Kind" fachkundig ebenfalls den Finger in die schwärenden Wunden der aus den Fugen geratenen Gesellschaftsordnung legt. Im Juli erscheint sein neuer Krimi unter dem Titel „Würde". Offensichtlich bietet die gewaltbereite Grundstimmung in den Townships, die wie ein Krebsgeschwür in alle Gesellschaftsschichten vordringt, gerade den Kriminalschriftstellern Steilvorlagen für spannende Plots. Und da das Thema Südafrika bei den Verlagen aus aktuellem Anlass auf der Hand liegt, haben auch unbekanntere Autoren eine Chance auf Veröffentlichung, wovon wir Leser gerne profitieren.

Was schreibt der Rest der Welt über Südafrika?

Über Südafrika wird sehr viel und schon seit geraumer Zeit geschrieben, denn das Land am Kap der guten Hoffnung übt offensichtlich eine immense Anziehungskraft auf Autoren aus aller Herren Länder aus. In den letzten Jahren richtet sich das Hauptaugenmerk hier ebenfalls auf den Kriminalroman. Einer der erwähnenswertesten Südafrika-Krimis stammt aus der Feder des Franzosen Caryl Férey. Er schrieb mit „Zulu" einen politischen und literarisch hochkarätigen Thriller über alte Wunden und alte Seilschaften, die auch im neuen Südafrika noch funktionieren, und schuf mit dem stolzen Zuluabkömmling Ali Neumann einen mitreißenden und anrührenden Titelhelden. Und auch ein deutscher Autor sei noch erwähnt, der eine Taschenbuchneuauflage im kleinen Bielefelder Pendragon-Verlag wohl der WM verdankt: D. B. Blettenbergs „Land der guten Hoffnung" ist ein kleiner, aber fein recherchierter Roman über eine Entführung, die einst in Hamburg ihren Ausgang nahm und in Südafrika eine dramatische Wendung erlebt.

Die deutsche Autorin Stefanie Gercke hat schon vor langer Zeit ihr Herz an Südafrika verloren und einige Jahre dort gelebt. Ihre Romane, von denen einige thematisch und chronologisch zusammengehören, bieten all denen gutes Lesefutter, die spannende, anrührende Geschichten vor exotischem Hintergrund lieben, also Unterhaltung im besten Sinne. Und noch ein Engländer sei erwähnt, der Afrika aus eigener Anschauung kennt und zu seinem Lieblingsthema gemacht hat. Giles Foden erzählt in „Die letzte Stadt von Afrika" eine Geschichte aus dem Burenkrieg, die trotz all ihrer Tragik auch komische und groteske Züge aufweist.

Aufs Ganze gesehen umfasst Literatur über Südafrika zwei große Themenbereiche. Der Faszination der wechselvollen, von Gewalt und Unterdrückung geprägten Geschichte dieses Landes erliegen viele Autoren und verweben menschliche Schicksale mit historischen Ereignissen, über mangelnde Dramatik kann sich jedenfalls keiner beschweren. Und aus dem Spannungsfeld zwischen schwarzer und weißer Bevölkerung ergeben sich Beziehungsdramen unterschiedlichster Art.

Natürlich gibt es noch viel, viel mehr über Südafrika zu lesen; gerade in der Kinder- und Jugendliteratur. Stellvertretend für diese Kategorie sei hier auf Lutz van Dijk hingewiesen, deutscher Autor mit zweitem Wohnsitz in Kapstadt, dessen auch soziales Engagement besonders heraussticht. „Themba" und „Township Blues" sind auch für Erwachsene lesenswerte Titel, die speziell die Situation der schwarzen Jugendlichen beleuchten.

Das Bild von Südafrika ist zwiegespalten, einerseits sind da die unübersehbaren Spuren von Hass und Gewalt in den Krimis, die uns erschrecken und deren erzählerischer Faszination wir uns nicht entziehen können oder wollen. Andererseits ist Südafrika ein reich gesegnetes Land voller Naturwunder mit seiner Tier- und Pflanzenwelt, den immensen Bodenschätzen mit ihrem Versprechen von Reichtum und Macht, die unsere Fantasie beflügeln. Was auch immer Sie über Südafrika lesen werden, unberührt wird Sie keine der facettenreichen Geschichten lassen. Vielleicht nutzen Sie die Pausen zwischen den WM-Spielen ja dazu; sonst ist nach der hoffentlich friedlichen WM 2010 in Südafrika immer noch Zeit dazu.

Noch ein kleiner Tipp: Eine große Auswahl an Romanliteratur über Südafrika sowie Informationen über deren Autoren finden Sie unter www.afrikaroman.de im Internet.

Beate Mainka

Blyde River Canyon, Drakensberge (Bild: www.dein-suedafrika.de)

Nkosi sikelel’ iAfrika (Nationalhymne)

Quelle: youtube.com / MariusSoma
Mit freundlicher Genehmigung von southafrica-infoweb.com

Landestypische Rezepte aus Südafrika

Südafrikanischer Wein ist weitherum bekannt. Aber haben Sie auch schon die süafrikanische Küche probiert? Kulinarische Einflüsse aus Indien, Malaysien, der Engländer und Buren machen Sie bunt und geschmacksvoll. Fleisch dominiert die Speisekarte und wird auch gerne über Holzkohle gegrillt (auf Afrikaans: Braai). Die umfangreiche Rezepte-Sammlung von Gerald Eherer zeigt die Vielfalt der südafrikanischen Küche und lädt zum Nachkochen ein, darunter eine Marinade für das Braai, Mielie Pap (Maisbrei) oder Biltong (getrocknetes Fleisch) und natürlich Süßspeisen. Ebenfalls hilfreich ist das Glossar auf southafrica-infoweb.com.

Weinregion Stellenbosch (Bild: joakant / pixelio.de)
Blick auf das Kap der guten Hoffnung (Bild: dumman / pixelio.de)
Protea (Bild: Veronika Verenin / pixelio.de)
Kapstadt (Bild: W. Broemme, Sabrina Bühler / pixelio.de)
Löwe im Kruger-Park (Bild: Janine Grab-Bolliger - Bearbeitung: Joujou / pixelio.de)

Champions for South Africa - Join the Game

Don Bosco JUGEND DRITTE WELT e.V.

Interaktives Spiel zur Fußball-WM für Kinder und Jugendliche

“Champions for South Africa” ist ein europäisches Bildungsprojekt zum Globalen Lernen und zur Förderung des zivilgesellschaftlichen Engagements von Schülerinnen und Schülern. Mithilfe zweier Computerabenteuer erlangen diese auf spielerische Weise einen Eindruck von dem Leben ihrer Altersgenossen in Südafrika. Das Spiel ermöglicht europäischen Kindern und Jugendlichen, sich selbst in einer fremden Welt auszuprobieren und ihr Wertesystem zu überprüfen.

Dazu gibt es didaktisches Material für Lehrkräfte und einen Wettbewerb für Schulklassen und Gruppen unter join-the-game.org.

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Südafrika – die „Regenbogennation“

Umfangreiche Medienliste mit Romanen, Büchern für Kinder- und Jugendliche und Sachbüchern [mehr]

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Laduma!

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