Es blüht überall, Vogelgezwitscher und Bienengesumm erfüllen die Luft, eine Libelle schwebt schillernd und filigran über dem Wasser und am Himmel schießen die Schwalben durch das weite Blau. Die Tage sind lang und der Duft nach Gegrilltem gehört nun ebenso zu den Wochenenden wie das Brummen des Rasenmähers. Das Leben findet wieder vermehrt draußen statt. Glücklich, wer einen Garten sein eigen nennen kann. Es ist eine Freude zu sehen, wie das Gesäte und Gepflanzte nun wächst und gedeiht und die beruhigende Wirkung von Gartenarbeit schafft einen wohltuenden Ausgleich zum Alltagsstress.
Ob im eigenen Garten werkelnd, mit einem guten Buch auf dem Balkon oder unseren Hinweisen auf grüne Sommeraktivitäten: Lassen Sie sich jetzt schon in sommerliche Stimmung versetzen.
Alles im Topf?
„Sie brauchen keinen Garten zum Gärtnern“, schreibt Laetitia Maklouf in ihren ungewöhnlichen Gartenbuch „Verliebt in meinen Garten“ (MedienNr. 565097) und einen grünen Daumen gebe es nicht. Gibt es bessere Voraussetzungen, als mutig mit Samentütchen, Setzlingen und Erde zu experimentieren? Vor allem Küchenkräuter wachsen hervorragend in Töpfen, aber auch viele Blumen und sogar Gemüse oder Erdbeeren gedeihen prächtig in Blumenkisten. Verschieden große Tontöpfe und ungewöhnliche Gefäße wirken zu einer Gruppe zusammengestellt auch auf einem Balkon attraktiv und ergeben so ein kleines Gartenreich.
Vom Garten führt nur ein kleiner Schritt in die Küche. Spargel, Erdbeeren, Rhabarber und die ersten neuen Kartoffeln versprechen leichte und vitaminreiche Mahlzeiten, die perfekt zu den wärmeren Tagen passen. Der Frühsommer ist die Zeit der Gartenfeste und Picknicks. Gerüstet mit einer großen Decke, Kissen und einem Korb voller Leckerbissen stehen entspannten Stunden in fröhlicher Runde nichts im Wege. Wer es lieber ruhiger mag, packt einen dicken Schmöker ein und zieht sich an ein stilles Plätzchen zurück. Laternen und Windlichter schaffen in den Dämmerstunden eine romantische Atmosphäre.
Schlechtwettervariante
Nach heißen, schwülen Tagen bringen Sommergewitter und Platzregen willkommene Abkühlung. Aber auch graue Regentage kommen im schönsten Sommer mal vor. Nutzen Sie die Gelegenheit, die eigenen vier Wände zu entrümpeln und Platz für Licht zu schaffen. Helle Farben, frische Blumen und luftige Gardinen laden den Sommer ins Haus ein und machen Laune, wenn es draußen trüb ist.
Dazu stellen wir auf unserer Medienliste eine Fülle von Büchern vor, bei denen sich bereits beim Betrachten ein Sommer- und Wohlgefühl einstellt. Wunderschöne Bildbände über geschmackvoll und mit liebevollen Details eingerichtete Landhäusern, elegante Gärten, opulente Blumensträuße, sommerliche Szenen und köstliche Rezepte regen an, diese nachzukochen und sich Dekorations- oder Gartenideen abzuschauen. So genießen Sie den Sommer gleich doppelt.
Was können Sie noch tun, um den Sommer im Grünen zu genießen? Besichtigen Sie fremde Gärten, flanieren Sie durch das herausgeputzte Koblenz oder beteiligen Sie sich am “Guerilla Gardening”. Doch der Reihe nach.
Über den Zaun geschaut
Offene Gartenpforte, offener Garten, offene Pforte – die Namen sind ähnlich, die Idee dahinter ist überall gleich: private Gartenbesitzer öffnen in der warmen Jahreszeit an einzelnen Tagen ihre grünen Inseln für die Öffentlichkeit. Für interessierte Besucher ist das ein attraktives Angebot. Es gibt die unterschiedlichsten Gartentypen zu entdecken, vom Kleinod im städtischen Hinterhof über Gemüse- und Naturgärten bis hin zu parkähnlichen Anlagen. Geometrische Buchshecken, üppige Kletterrosen, glitzernde Wasserspiele, Bepflanzungen ganz in Weiß: Jeder Garten verrät auch etwas über seinen Besitzer, dessen Sehnsüchte und Vorlieben.
Für die Besucher geht jedoch meistens um mehr als die voyeuristische Neugier zu befriedigen, was sich wohl hinter dem fremden Gartenzaun verbirgt. Die Vielfalt der Gärten ist reizvoll und anregend und rasch kommen die Gastgeber und Besucher untereinander ins Gespräch, fachsimpeln über Pflanzenvermehrung und machen einander auf Raritäten und besondere Sammlungen aufmerksam. Gelegentlich werden auch Pflanzen und Samen zum Tausch angeboten.
Die Aktion der offenen Gärten geht auf eine Initiative in England im Andenken an Königin Alexandra zurück. Die 1925 verstorbene Gemahlin von König Edward VII. hatte sich zu Lebzeiten sehr für Kranke und Arme engagiert. So wurde 1927 zu ihren Ehren ein Hilfsfond für die Krankenpflege gegründet, der National Gardens Scheme Charitable Trust. Mit der Aktion „Offene Gärten“ machten Gartenbesitzer ihre attraktiven Privatgärten an bestimmten Tagen für Besucher zugänglich und ließen das Eintrittsgeld dem Hilfsfond zukommen. Tausende von Gärten in England nehmen inzwischen jährlich an der Aktion teil und ziehen über zwei Millionen Gartenliebhaber an. Die Idee ist inzwischen auch in anderen Ländern verbreitet.
Die ersten Gartenpforten in Deutschland haben sich vor rund 20 Jahren in Hannover geöffnet. Mittlerweile gibt es im ganzen Land lokal oder regional organisierte Aktionen, meist bei freiem Eintritt, und ist für viele ein fester Programmpunkt im Jahreskalender geworden. Mitmachen kann jeder, der bereit ist, seinen Garten für ein paar Stunden zu öffnen. Der Austausch mit Gleichgesinnten ist eine wichtige Motivation und natürlich der Wunsch, sein liebevoll und mit Leidenschaft gepflegtes grünes Paradies anderen Gartenliebhabern zu zeigen. Die Begegnung im Garten, dem Zwischenraum zwischen dem privaten und öffentlichen Bereich, ist eine schöne Idee.
Olympiade der Gärtner
Der Sommer hat dieses Jahr in Koblenz am 15. April begonnen - mit der Eröffnung der Bundesgartenschau 2011. Die Stadt am Zusammenfluss von Rhein und Mosel und (Tor zum) das UNESCO-Welterbe „Oberes Mittelrheintal“ feiert ein sommerlanges Fest im Herzen der Stadt mit einem bunten Strauß an Beiträgen aus Natur, Wissenschaft, Gesellschaft und Kultur sowie üppiger Pflanzenpracht. Für Pflanzenliebhaber, Flaneure und Wissbegierige sind die im Zweijahresturnus stattfindenden Leistungsschauen des Gartenbaus ein attraktives Ausflugsziel. Zur ersten rheinland-pfälzischen Bundesgartenschau werden zwei Millionen Besucher erwartet.
„Koblenz verwandelt“ lautet der Slogan, unter dem an drei Ausstellungsorten noch bis zum 16. Oktober 2011 Blumenschauen, Ausstellungen und Veranstaltungen stattfinden. Die Uferpromenaden an Rhein und Mosel mit Freiflächen, Sitzgelegenheiten und Zugang zum Wasser verbindet die innerstädtischen Ausstellungsbereiche „Kurfürstliches Schloss“ und „Blumenhof am Deutschen Eck“. Eine spektakuläre Seilbahn entlang eines 850 Meter frei über den Rhein gespannten Seils über den Rhein bringt die Besucher zur „Festung Ehrenbreitstein“. Sie wird mit einem umweltfreundlichen Elektromotor betrieben und wird Abstimmung mit der UNESCO über die Bundesgartenschau Koblenz 2011 hinaus bis zum Herbst 2013 innerhalb dieses Welterbe-Gebietes Oberes Mittelrheintal betrieben.
Leitthemen sind Wasser, Rheinromantik, Festung, UNESCO Welterbe und Europa. Freilandschauen laden zur Entdeckungstour durch die abwechslungsreichen Themen rund um den Gartenbau ein und veranschaulichen die Vielfalt der Gestaltungsmöglichkeiten. Zudem stellen sich alle gärtnerischen Berufsstände vor und zeigen Interessantes zu besonderen Themen wie Floristik oder Gemüseanbau, das auch Hobbygärtner interessieren könnte. In zwei großen Blumenhallen sind Raritäten und Exoten zu finden wie Orchideen, fleischfressende Pflanzen oder die Ikebana-Ausstellung im Kurfürstlichen Schloss, dass die japanische Blumenbindekunst zeigt. Hier finden auch wechselnde Schauen statt, von Viva Balkonia über Rhododendron bis zu Kakteen und Sukkulenten.
Freunde schöner Gartenanlagen und Parks erwartet unter anderem ein nach Entwürfen des preußischen Gartenbaumeisters Peter Joseph Lenné rekonstruierter Schlossgarten, eine neue Parkanlage hinter dem Deutschen Eck mit Wasserspielplatz sowie ein großzügiger Landschaftspark an der Festung Ehrenbreitstein. Sonderausstellungen widmen sich dem großen preußischen Gartenbaumeister Peter Joseph Lenné und seinem Wirken im Rheinland und dem kulturellen Umgang mit Tod und Grabstätten aus zehn Jahrtausenden. Ein abwechslungsreiches Programm lockt mit rund 3.000 Veranstaltungen und vielen kulturellen Ausstellungen von Musik über Sport bis zu Lesungen oder die 10. Rheinland-Pfälzischen Literaturtage vom 13.-15. Mai.
Auch das Bistum Trier und die Evangelische Kirche im Rheinland sind mit einem ökumenischen Projekt auf der BUGA präsent. Dechant Eugen Vogt vom Dekanat Koblenz erklärt: „Die christlichen Kirchen engagieren sich gerne für die Bundesgartenschau 2011 in Koblenz, weil es hier um das Leben geht. 185 Tage in Koblenz geht es um die Schöpfung und um den Menschen in der Schöpfung, um den verantwortlichen Umgang mit unseren Lebensgrundlagen und damit um wichtige Zukunftsfragen.“
Die BUGA wird getreu ihrem Slogan Koblenz langfristig verändern. Großzügige Grünflächen im Herzen der Stadt, neue Spielplätze und eine verbesserte Verkehrsinfrastruktur sorgen für mehr Lebensqualität, ebenso wie das neu erweckte Bewusstsein für das Leben in der Stadt und den Umgang mit sich und der Umwelt.
Stadtgärtnern
In Städten gibt es neben schönen Parks und gepflegten Grünflächen meistens auch die weniger schönen Ecken, unbepflanztes Brachland oder vernachlässigte Baumscheiben (so wird der Bereich rund um den Stamm eines gepflanzten Baumes genannt) in der Asphaltwüste. Diese ungenutzten Flächen zu bepflanzen und so zu verschönern ist das Ziel einer Bewegung, die unter dem Namen Guerilla Gardening bekannt geworden ist und sich zunehmender Beliebtheit erfreut. Die Vernetzung findet vor allem über das Internet statt.
Der Begriff Guerilla Gardening ist seit den 1970er Jahren dokumentiert, als Liz Christy in New York verwahrloste Hinterhöfe begrünte. Richtig bekannt geworden ist diese Protestform im Jahr 2000, als sich am 1. Mai in London Globalisierungskritiker, Anarchisten und Umweltaktivisten auf einer Rasenfläche direkt auf dem verkehrsreichen Parliament Square trafen, um – wie sie auf Transparenten bekundeten – „die Straßen zurückzuerobern“, und dabei den Platz umgruben, um ihn anschließend zu bepflanzen.
Nicht jeder Guerillagärtner hat politische Gründe. Die informellen Stadtgärtner wollen sich durch die Bepflanzungsaktionen keine Flächen aneignen oder Sachen beschädigen; sie versuchen, die Welt ein bisschen schöner und besser zu machen. Ihnen liegt etwas an der Welt außerhalb der eigenen vier Wände und sie glauben daran, dass sie diese selber (mit-)gestalten können. Vielen geht es einfach darum, ihre gärtnerischen Ambitionen auszuleben und erfreuen sich daran, Leben und Farbe in vernachlässigte, graue Stadtflächen zu bringen. Sie suchen nicht die kurzfristige (politische) Aufmerksamkeit wie in London, sondern wollen das triste Erscheinungsbild mancher Orte dauerhaft verändern. Europas bekanntester Guerilla-Gärtner ist der Londoner Richard Reynolds. Seit 2004 verschönert er triste Innenstädte udurch Begrünung brachliegender Flächen.
Wenn Guerillagärtner versuchen ihre Stadt zu begrünen, bewegen sie sich je nach örtlichen Gesetzen am Rande der Legalität oder sogar darüber hinaus, denn sie säen oder bepflanzen Flächen, die anderen gehören. In den allermeisten Fällen sind das öffentliche Flächen, die vernachlässigt wurden. Bunte Blumen oder Gemüse soll mehr Schönheit schaffen zwischen Verkehr und Bebauung. Nächtliche Bepflanzungsoperationen betonen den „geheimnisvollen“ Charakter, andere, offene Arbeiten tagsüber sollen Passanten neugierig machen und für die Idee der Stadtverschönerung werben. Die Grundregel ist einfach: nur unbenütztes, ungewolltes, heruntergekommenes Land bepflanzen und es in einem besseren Zustand verlassen, als es vorgefunden wurde.
Was braucht es zum Guerillagärtnern? Neben Optimismus vor allem Setzlinge und Samen und Wasser zum Gießen, Mülltüte, vielleicht noch kleine Harken und einen Pflanzstab und Erde. Und natürlich ein geeignetes Plätzchen: verwahrloste Blumenbeete, Pflanzkübel, Baumscheiben oder Verkehrsinseln. Am besten eignen sich heimische Wildblumen wie Mohn oder Kornblumen, die auffallen, robust sind und zum gewählten Pflanzplatz passen. Auf einer Verkehrsinsel stören zum Beispiel hoch wachsende Arten. Vorgärten oder offensichtlich gepflegten Flächen sind tabu. Regelmäßiges Gießen und sonstige Pflege nicht vergessen.
Barbara Sckell