Die bekannte Schriftstellerin und Benediktinerin Silja Walter ist am 31. Januar 2011 im Alter von 91 Jahren gestorben. Über sechzig Jahre war sie im Kloster Fahr am Rande der Stadt Zürich als Schwester Maria Hedwig zuhause. Sie wurde 1919 geboren; nach der Schule ließ sie sich zur Lehrerin ausbilden. Bevor sie jedoch ihre erste Stelle antreten konnte, erkrankte sie an Tuberkulose. Die Zeit der Genesung war für sie auch eine Zeit der Auseinandersetzung mit ihrem weiteren Lebensweg. Schließlich überwand sie ihre Zweifel und trat 1948 ins Kloster ein. Ihre Lebensaufgabe als Ordensfrau fasst sie in dem Gedicht „Gebet des Klosters am Rande der Stadt“ in Worte: „Jemand muss zuhause sein / Herr / wenn du kommst. / Jemand muss dich erwarten, / unten am Fluss / vor der Stadt. / Jemand muss nach dir Ausschau halten, / Tag und Nacht. / Wer weiß denn, / wann du kommst?“
Dieses Warten auf Gott war auch ihr Antrieb zu schreiben. Sie veröffentlichte Gedichte, Hymnen und Gebete, Erzählungen, Theaterstücke und Mysterienspiele, einen Roman und theologische Texte. Bekannt ist ihr Kirchenlied „Eine große Stadt ersteht“ (Gotteslob Nr. 642), das sie als poetische Antwort auf die Kirchenkonstitution „Lumen gentium“ des Zweiten Vatikanischen Konzils dichtete.
Aus ihrer Autobiografie „Das dreifarbene Meer“ (2009) geht hervor, dass sie es sich und anderen im Leben nicht einfach gemacht hat. Lange hat sie mit ihrer Berufung gerungen; im Kloster galt sie lange Zeit als Außenseiterin, weil sie nicht angepasst genug war. Ihr Erfolg als Dichterin war ihrer ersten Oberin suspekt; mit ihren unkonventionellen Vorstellungen eckte Silja Walter immer wieder an – im Kloster und in der Kirche. Im Spannungsfeld zwischen der klösterlichen Disziplin und ihren eigenen Glaubenserfahrungen suchte und fand sie ihren persönlichen Heilsweg.
„Und jemand muß singen, / Herr, / wenn du kommst! / Das ist unser Dienst: / Dich kommen sehen und singen. / Weil du Gott bist. / Weil du die großen Werke tust, / die keiner wirkt als du. / Und weil du herrlich bist / und wunderbar, / wie keiner.“ – Jetzt müssen andere wachen und singen, denn Silja Walter ist zuhause angekommen.