Wolfgang Bergmann stellt sich auch in diesem Buch quer zu vielen Bestsellern im Bereich der Erziehung, wo es von Titeln über Disziplin, Tyrannen und Strenge nur so wimmelt. In seiner gewohnten Erzähl-Manier, manchmal etwas weitschweifig, entwirft er ein anderes Bild vom Leben mit Kindern. Und wenn sich etwas doppelt, macht es auch nichts, denn manches kann man gar nicht oft genug wiederholen: wie sehr Kinder es brauchen, dass sie einfach von Mama und Papa geliebt werden, dass die Großen sich auf ihre Welt einlassen, ihnen etwas zutrauen, sie nicht mit Lob, Tadel, Bewertung und Vergleich in Perfektion, Leistungsorientierung und Einsamkeit drängen. In diesem Buch nähert er sich dem Thema nochmals anders als in früheren Werken: Er holt Jesus mit ins Boot und konfrontiert die Kinderleben, von denen er berichtet, mit dem Leben und Botschaft Jesu.
Das Buch ist kein Erziehungsratgeber, denn Bergmann gibt keine konkreten Ratschläge, sondern will den Blick aufs Kind verändern: Um Eltern zu helfen, ihre Kinder besser zu verstehen, und über das Leben mit Kindern etwas vom menschgewordenen Gott zu verstehen und zu erfahren. Das ist Anspruch und Ermutigung zugleich, und dem Buch sind viele Leser sehr zu wünschen.
Annette Jantzen