Bildung ist eine ganzheitliche Angelegenheit. Folgerichtig ist oft vom Lernen mit Herz und Hand ist die Rede. Einerseits. Andererseits stehen bei den öffentlichen Diskussionen um Bildung oft nur deren ökonomisch verwertbaren Aspekte im Mittelpunkt. Dagegen wendet sich der ehemalige Benediktinermönch Anselm Bilgri, der heute als Unternehmensberater arbeitet. In den zehn Kapiteln seines Buches plädiert er beispielsweise für „Liebe in der Ego-Gesellschaft", „Vertrauen in der kontrollierten Gesellschaft" oder „Gelassenheit in der Erregungsgesellschaft" - also für das, was er Herzensbildung nennt. An anderer Stelle spricht er von „Lebenswissen" als notwendigem Pendant zum Faktenwissen. Man könnte auch Wertebildung sagen. Bilgris Gedanken dazu sind stets geprägt von der benediktinischen Lebensregel „Ora et labora", dem Bewahren einer Balance zwischen spirituellem und ökonomisch orientiertem Leben. Seine Gedankengänge sind anspruchsvoll, er bedient sich in Philosophie und Theologie und kleidet sie in eine angenehm zu lesende Sprache, die auch vor (erklärten!) lateinischen Begriffen nicht Halt macht. Sich von diesen Gedanken anregen zu lassen, lohnt. Sie helfen, den eigenen Blickwinkel zu verändern und weiterzudenken über das, was eine Gesellschaft lebenswert macht.
Dagmar Wolf