Drei Wünsche frei zu haben, davon dürfte wohl jeder schon einmal geträumt haben. Und wer hat sich nicht schon einmal gefragt, warum nur drei Wünsche erfüllt werden? Warum nicht alle? Um diese Frage dreht sich Thomas Glavinics neuer Roman. Seinem Protagonisten Jonas bietet ein wenig vertrauenerweckender Mann eines Tages an, ihm drei Wünsche zu erfüllen. Um ihn möglichst schnell los zu werden, geht Jonas auf das Angebot ein, wünscht sich allerdings die Erfüllung aller seiner Wünsche. Der Fremde geht darauf ein, weist aber auf ein wichtiges Detail hin: „Es geht nicht darum, was Sie wollen, sondern darum, was Sie sich wünschen." Nach dem Gespräch macht Jonas die Probe aufs Exempel und zieht ein Lotterielos, gewinnt jedoch nichts. Das bestätigt ihm, dass der Fremde einfach nur verrückt ist. Zurück am Arbeitsplatz stellt er allerdings fest, dass der Wert seines Aktiendepots kräftig gestiegen ist. Von da an häufen sich die seltsamen Vorfälle in Jonas Leben. Ein junger Mann, der am Zebrastreifen Autorfahrer provoziert, wird von einem LKW angefahren, der aus dem Nichts auftaucht und wieder verschwindet. Jonas Frau stirbt in der Badewanne, während Jonas sich nebenan nach Marie sehnt, mit der er ein Verhältnis hat. Ein Arbeitskollege lädt ihn zu einem flotten Dreier ein. Eine gute Freundin von Jonas, die Leberkrebs im Endstadium hat, wird wieder gesund.
Bei der Lektüre wird man das Gefühl nicht los, in einem schlechten Traum gefangen zu sein und erwartet bei jedem Umblättern, dass Jonas endlich aufwacht. Stattdessen wird der Roman immer abgedrehter und phantastischer. Mit einer Mischung aus ungläubigem Staunen, Faszination und Abscheu folgt man dem Protagonisten bis zum tragischen Finale. - Glavinic legt mit diesem Roman ein märchenhaft-abgründiges Werk vor über das Eigenleben der geheimsten Wünsche des Menschen - und über die Unersättlichkeit des Wünschens.
Christoph Holzapfel