14.06.2012

Preisverdächtig!

Das Seminar vermittelt Praxiskonzepte zu den nominierten Titeln des Deutschen Jugendliteraturpreises. Im Rahmen dreier unterschiedlicher Workshops werden kreative Vermittlungsmethoden zu den Nominierungen in den Sparten Bilder-, Kinder- und Jugendbuch erarbeitet. [mehr]

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„Wenn wir nicht ab und zu was Verrücktes tun, können wir uns gleich begraben lassen." Mit diesen Worten kommentiert eine Kellnerin Harolds Vorhaben, zu Fuß 1000 Kilometer quer durch England zu laufen. Dadurch will er eine ehemalige Arbeitskollegin vor dem Krebstod retten, bei der er tief in der Schuld steht. Mich hat der Satz angesprochen, weil er von der Sehnsucht nach Lebendigkeit spricht, die in jedem Menschen wohnt. weiter

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Die Tränen meines Vaters und andere Erzählungen

von John Updike. Rowohlt, Reinbek bei Hamburg 2011.

Als John Updike 2009 starb, hinterließ er ein beachtliches Werk. Achtzehn bislang unveröffentlichte Erzählungen mit stark autobiografischen Zügen liegen nun mit dem Erzählband „Die Tränen meines Vaters" postum vor. Zumeist spielen sie in Kleinstädten im Osten der USA in der Zeit von den sechziger Jahren bis 2002. Die überwiegend betagten Protagonisten sind auf der Suche nach ihrer verlorenen Kindheit, denken über ihre Ehen nach, gestehen unaufgeregt und offenherzig Seitensprünge ein, planen sich scheiden zu lassen oder sind bereits mehrfach geschieden. Die Hauptfiguren denken wehmütig, manchmal schuldbewusst, aber innerlich lächelnd über sich und ihre Familien nach, über gelungene Phasen in ihrem Leben und solche, in denen sie gescheitert sind. Die Erzählung „Spielarten religiöser Erfahrung", die um die Ereignisse rund um die Anschläge auf das World Trade Center kreist, sticht besonders hervor. Aus den Perspektiven der Attentäter, der Opfer und deren Angehörigen wird das Geschehen beeindruckend beleuchtet. Es wird nur zu deutlich, wie vergänglich das Leben ist.

Mit diesen Erzählungen gräbt Updike wie ein Archäologe nach eigenen Gefühlen und Erlebnissen von der Kindheit bis ins Alter und nimmt dabei den Leser mit auf eine spannende Entdeckungsreise. Humorvoll, augenzwinkernd und wehmütig zugleich blickt er auf ein langes Leben zurück, wenn der Erzähler in der letzen Geschichte einen „sonderbaren Kerl" einen Toast auf die Welt und sein baldiges Verschwinden aus ihr ausbringen lässt, mit einem Wasserglas und Pillen für die verschiedenen Beschwerden des Alters in der Hand. An allen achtzehn Erzählungen offenbart sich, dass mit John Updike ein großartiger Erzähler die Welt verlassen hat. Gern empfohlen. (Übers.: Maria Carlsson)

Birgit Fromme

März 2011

Hintergrund

Als Roman des Monats empfiehlt der Borromäusverein e.V. monatlich einen Belletristik-Titel, der über seinen Unterhaltungswert hinaus seine Leser/innen anregt, über religiöse oder existentielle Fragen nachzudenken.

Roman des Monats März 2011[mehr]

Die Tränen meines Vaters

von John Updike
ROWOHLT, REINBEK(2011)
Hardcover
und andere Erzählungen ISBN-10: 349806889X ISBN-13: 9783498068899 MedienNr.: 336419 19.95 €
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