24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Das Matratzenhaus

von Paulus Hochgatterer. Deuticke, Wien 2010.

Ostern feiern die Christen die Auferstehung Jesu, die Erlösung von der Endgültigkeit des Todes. Von einer anderen Art der Erlösung an einem Ostersonntag erzählt der österreichische Schriftsteller und Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer in diesem Roman. In der österreichischen Kleinstadt Furth am See erstattet ein Vater Anzeige, weil ein Unbekannter seinen Sohn geschlagen hat. Weder Kommissar Ludwig Kovacs noch Raffael Horn, der Psychiater, der das Kind untersucht, nehmen das sonderlich ernst. Andere Fälle scheinen ihnen dringlicher, außerdem sind sie durch private Probleme abgelenkt. Doch dann wird ein weiteres Kind auf die gleiche Weise geschlagen - und kurz darauf noch eines. Der öffentliche Druck steigt, doch weder Horn noch Kovacs haben etwas in der Hand. Hochgatterer erzählt diese Geschichte aus vier Perspektiven, neben Horn und Kovacs, die bereits in Hochgatterers Roman „Die Süße des Lebens“ (2006) auftraten, kommen noch eine psychisch labile Grundschullehrerin und ein dreizehnjähriges Mädchen zu Wort. Aus dessen Sicht erfahren die Leser/innen andeutungsweise, was im „Matratzenhaus“ vor sich geht. - Hochgatterer beschreibt sehr eindringlich, wie Schweigen, Alltagsblindheit und eine verbreitete Unfähigkeit, sich anderen mitzuteilen, dazu führen, dass alle Beteiligten die ohnehin spärlichen Hinweise auf sexuellen Missbrauch übersehen. Seine Erzählweise, die manchmal nur andeutet, statt ausführlich zu beschreiben, erfordert viel Aufmerksamkeit, entfaltet aber auch einen Sog, dem man sich nicht entziehen kann. Erst als sich die Dreizehnjährige am Ostersonntag „Erlösung“ verschafft, wird sichtbar, was sich in der Mitte der österreichischen Kleinstadt zugetragen hat. Am Ende bleibt den Leser/innen die erschütternde Erkenntnis, dass Furth am See überall sein kann. Äußerst lesenswert!

Christoph Holzapfel

 

März 2010

Hintergrund

Als Roman des Monats empfiehlt der Borromäusverein e.V. monatlich einen Belletristik-Titel, der über seinen Unterhaltungswert hinaus seine Leser/innen anregt, über religiöse oder existentielle Fragen nachzudenken.

Roman des Monats März 2010[mehr]

Das Matratzenhaus

von Paulus Hochgatterer
DEUTICKE IM ZSOLNAY VERLAG(2010)
Hardcover
Roman. Ausgezeichnet mit dem Stuttgarter Krimipreis 2011 für den besten deutschsprachigen Kriminalroman 2010 ISBN-10: 3552061126 ISBN-13: 9783552061125 MedienNr.: 564867 19.90 €
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