Ein heißer römischer Sommer: alt, hilflos, pflegebedürftig hadert die Ich-Erzählerin Amelia mit ihrem Schicksal: Sie weiß, es wird ihr letzter Sommer sein. Überwältigt von nächtlichen Träumen beginnt sie, ihre prägenden Lebenserinnerungen niederzuschreiben, sich selbst dabei, ob dieses Ansinnens, kritisch bespöttelnd. Dieser „Ton" bleibt und prägt das Buch: bissige Ironie, Spott, Sarkasmus, schwarzer Humor, scharfsinnige Einsichten, analytischer Blick, spitze Feder, schonungslose Selbstreflexion. Es sind die distanzierten und erschütternd authentischen Beobachtungen einer Intellektuellen, deren Verstand bei zunehmender Lähmung des Körpers hellwach bleibt: Als alter ego der Romanfigur ist die Autorin im Mai 2010 ihrer unheilbaren Nervenkrankheit erlegen. Erhobenen Hauptes, fast rebellisch, geht sie mit ihrem Schicksal um. Ein packendes Buch und eine ungewöhnliche Möglichkeit, sich mit Krankheit und Tod auseinanderzusetzen. Mit Nachdruck empfohlen. (Übers.: Maja Pflug)
Birgit Karnbach