Er nennt sich Simon und ist illegal nach Deutschland gekommen. Seine Schleuser haben ihn irgendwo in Niedersachsen ausgesetzt. Eine niedrige Hütte aus Bruchsteinen auf den Feldern vor der kleinen Stadt ist seine erste Unterkunft. Auf der Suche nach etwas zu essen lernt er Valentina kennen, ebenfalls eine Illegale, die ihn mitnimmt in ihren Unterschlupf, eine alte Mühle. Dort haust sie zusammen mit Roddy, einem völlig verstörten Jungen. Simon findet Arbeit in einem Fahrradgeschäft und gewinnt das Vertrauen des alten Fahrradhändlers. Er sehnt sich nach der Sicherheit eines bürgerlichen Lebens, träumt von einem Leben mit Valentina und Roddy, doch ein heftiger Streit zerstört diese Illusion. Roddy läuft weg, Valentina und Simon raufen sich wieder zusammen und machen sich auf die Suche nach dem Jungen. Sie kommen dabei bis nach Hannover, reisen dann nach Hamburg weiter und kehren schließlich wieder zurück. Den Traum von einem bürgerlichen Leben haben sie nicht aufgegeben. Als der alte Fahrradhändler anbietet, Simon zu adoptieren und ihm den Laden zu überschreiben, scheint die bürgerliche Existenz zum Greifen nah. - Roland E. Koch hat einen eindringlichen, beklemmenden Roman geschrieben, trotz der hoffnungsvollen Perspektive, die der alte Fahrradhändler den Illegalen eröffnet. Angst ist ihr Begleiter, Angst aufzufliegen und abgeschoben zu werden, Angst vor den Erinnerungen. Immer wieder überwältigen Simon bildlose Erinnerungen an vergangene Qualen. Nur bruchstückhaft kann er sich an sein früheres Leben erinnern; auch seine Herkunft bleibt unklar, vielleicht aus einem der Balkanländer. “Unter fremdem Himmel” ist alles andere als eine leichte Lektüre, doch die Mühe lohnt sich, denn das Buch verändert die Perspektive auf das eigene Leben wie auf das Leben von Flüchtlingen, die nichts so dringend brauchen wie Sicherheit und einen Platz, an dem sie bleiben können.
Christoph Holzapfel