24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Der Hungerkünstler

von Georg Elterlein. Picus-Verlag, Wien 2009.

Der 19-jährige Andreas will verhungern. Darin sieht er die einzige Möglichkeit, die Pläne seines Vaters zu durchkreuzen. Der wollte einen Tennisprofi aus ihm machen, doch nach einigen Erfolgen war Andreas es leid und trat in den Hungerstreik. Ein erster Versuch zu verhungern endete in der Psychiatrie. Nach der Entlassung will er schleunigst einen weiteren Anlauf unternehmen. Doch der Tod der Großmutter macht ihm einen Strich durch die Rechnung: Er will seinen Großvater nicht alleine lassen und verschiebt seinen Entschluss. Bei ihm trifft er schließlich auch eine Studentin, die dessen Engagement im spanischen Bürgerkrieg untersucht und zu der sich eine zarte Liebesbeziehung entwickelt. Die Beziehung zwischen dem Großvater, der sich einem Leben im Heim ebenso verweigert wie Andreas dem Leben als Tennisprofi, ist sehr einfühlsam analysiert, genauso wie die Probleme und Gefühle eines Bulimiekranken. Doch bietet der Roman mehr als einen Einblick in die Gefühlswelt eines Bulimiekranken, der langsam wieder ins Leben zurückfindet. Elterlein erzählt von der Zerbrechlichkeit des menschlichen Lebens und der menschlichen Lebenspläne, von Brüchen in der Biografie und zeigt, dass es besser ist, sich damit auseinanderzusetzen als davor wegzulaufen. Und wie nebenbei erinnert der Roman an eine etwas aus der Mode gekommene Tugend, die in diesem Fall therapeutische Wirkung entfaltet: Nächstenliebe. Weil Andreas seinen Plan aufgibt, sich zu Tode zu hungern, um seinem Großvater beizustehen, findet er ins Leben zurück. Verpackt ist die Geschichte von Andreas und seinem Großvater in eine poetische, anrührende Sprache. Ein herausragendes Debüt, sehr empfohlen.
(Christoph Holzapfel)

August 2009

Hintergrund

Als Roman des Monats empfiehlt der Borromäusverein e.V. monatlich einen Belletristik-Titel, der über seinen Unterhaltungswert hinaus seine Leser/innen anregt, über religiöse oder existentielle Fragen nachzudenken.

Roman des Monats August 2009[mehr]

Der Hungerkünstler

von Georg Elterlein
PICUS VERLAG(2009)
Hardcover
Roman ISBN-10: 3854526415 ISBN-13: 9783854526414 MedienNr.: 308825 22.90 €
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