14.06.2012

Preisverdächtig!

Das Seminar vermittelt Praxiskonzepte zu den nominierten Titeln des Deutschen Jugendliteraturpreises. Im Rahmen dreier unterschiedlicher Workshops werden kreative Vermittlungsmethoden zu den Nominierungen in den Sparten Bilder-, Kinder- und Jugendbuch erarbeitet. [mehr]

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„Wenn wir nicht ab und zu was Verrücktes tun, können wir uns gleich begraben lassen." Mit diesen Worten kommentiert eine Kellnerin Harolds Vorhaben, zu Fuß 1000 Kilometer quer durch England zu laufen. Dadurch will er eine ehemalige Arbeitskollegin vor dem Krebstod retten, bei der er tief in der Schuld steht. Mich hat der Satz angesprochen, weil er von der Sehnsucht nach Lebendigkeit spricht, die in jedem Menschen wohnt. weiter

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Adams Erbe

von Astrid Rosenfeld. Diogenes, Zürich 2011.

Der Dachboden war ein verbotener Ort. Nachdem Edwards Großvater Moses dort gestorben war, durfte Edward den Raum nicht mehr betreten. Erst Jahre später, nach dem Tod seiner Großmutter, geht er wieder hinauf. Nichts hat sich seit dem Tod seines Großvaters verändert. Edward beginnt, Kisten und Koffer zu durchsuchen und stößt auf ein Päckchen, adressiert an eine Anna Guzlowski. Als er das Päckchen aufreißt, hält er die Geschichte seines im Krieg verschollenen Großonkels Adam in den Händen. Von diesem Adam hatte Edward in seiner Kindheit nicht viel Gutes gehört. Sein Großvater machte ihn dafür verantwortlich, dass seine Mutter und seine Großmutter nicht auswandern konnten und Opfer des Holocausts wurden. Und Edward bekam immer wieder zu hören, dass er diesem Adam wie aus dem Gesicht geschnitten sei. Doch die Geschichte, die Edward auf den Dachboden findet, erzählt von Adams großer Liebe zu dem jüdischen Mädchen Anna, deren Leben er rettete, indem er ihr die Flucht aus dem Warschauer Ghetto ermöglichte. Adams Aufzeichnungen zeigen, dass er am Tod seiner Verwandten unschuldig war und dass er sein eigenes Leben für Anna geopfert hat.

Trotz des ernsten Themas erzählt Astrid Rosenfeld die Geschichten Edwards und Adams in leichtem Ton. Sie hat mit Edward und der Familie Cohen Charaktere geschaffen, die aus dem Rahmen fallen, unangepasst, nicht gerade auf der Sonnenseite des Lebens beheimatet und doch liebenswert. Besonders im zweiten Teil gewinnt der Roman an Tiefe. Er zeigt, wie aus dem jungen, naiven Adam ein Mann wird, der für seine große Liebe in den Tod geht. Außerdem macht er auf beklemmende Weise deutlich, dass das Dritte Reich mit seinen Abgründen von Krieg und Massenmord keine Naturkatastrophe war, sondern das Werk von Menschen. Sehr, sehr lesenswert!

Christoph Holzapfel

April 2011

Hintergrund

Als Roman des Monats empfiehlt der Borromäusverein e.V. monatlich einen Belletristik-Titel, der über seinen Unterhaltungswert hinaus seine Leser/innen anregt, über religiöse oder existentielle Fragen nachzudenken.

Roman des Monats April 2011[mehr]

Adams Erbe

von Astrid Rosenfeld
DIOGENES(2011)
Hardcover
Roman ISBN-10: 3257067720 ISBN-13: 9783257067729 MedienNr.: 567908 21.90 €
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