Ein Wissenschaftler erzählt seiner Nichte von der Welt Jesu, das Leben Sauls z.Z. Jesu wird geschildert - und die beiden Welten treffen aufeinander.
Lisas Eltern trennen sich, deshalb taucht sie bei ihrem Onkel Alex auf. Der ist Experte für altaramäische Sprachen. Aus einem spöttischen Vergleich der Lebensumstände z.Z. Jesu und heute entspinnt sich ein ausführlicher und kritisch hinterfragter Diskurs über die gesamte damalige Lebens- und Glaubenswelt. Parallel dazu entwickelt sich die Lebensgeschichte Sauls, eines jüdischen Bauern. Im letzten Fünftel des Buches begegnen sich die zwei Welten, offensichtlich ist Saul als Zeitreisender kurz in Heidelberg gestrandet.
Der Autor hat sich eine Herkulesaufgabe vorgenommen, in der er versucht, mehrere thematische Einheiten zu einem Ganzen zusammenzufügen: Der moderne Forschungsstand über jüdisches Leben vor 2000 Jahren ist in seiner Drastik lebendig dargestellt, ebenso die Sorgen und Nöte einer konkreten Person. Hier wird mit vielen Vorurteilen, Halbwahrheiten und Wissenslücken aufgeräumt. Dabei wird auch intensiv über existentielle Glaubensfragen nachgedacht.
Zwangsläufig tritt das Motiv der Trennung von Lisas Eltern in den Hintergrund - war dies offensichtlich doch nur der Aufhänger für das Wiedersehen von Onkel und Nichte. Die Begegnung der beiden Welten, um so dem Geheimnis von Jesus und seiner Auferstehung näherzukommen, wirkt halbfertig. Und die Reflexionsimpulse würden sich in der Firmvorbereitung gut machen, aber hier? Der leicht schnoddrige Ton zwischen dem Ich-Erzähler Alex und Lisa gibt dem Ganzen jedoch den nötigen Pep, um jugendliche Leser bei der Stange zu halten. - Sicherlich ein "Orchideen"-Buch, also nicht für Lesermassen gedacht, aber für interessierte Jugendliche wie erwachsene Leser ein Gewinn!
(Astrid Frey)