„Es gibt (mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit) keinen Gott.“ Nach britischem Vorbild ließ eine atheistische Initiative im Frühsommer einen Linienbus quer durch Deutschland touren. Die Buskampagne sorgte für Aufsehen in den Medien, über Religion wird wieder verstärkt öffentlich debattiert. Ganz folgerichtig bedankte sich der Münsteraner Weihbischof Franz-Josef Overbeck in einer Talkshow bei den Initiatoren der Buskampagne für die kostenlose Werbung.
Die atheistische Buskampagne und die öffentliche Reaktion darauf sind eine Folge der religiösen Suchbewegung, die in den letzten Jahren stark angewachsen ist. Mehr und mehr Menschen entdecken ihre spirituellen Sehnsüchte und erhoffen sich eine religiöse Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens. Die christlichen Kirchen werden von vielen spirituell Suchenden nur noch als ein Angebot unter vielen wahrgenommen, vielleicht sogar mit mehr Skepsis betrachtet als so manche asiatische Religion. Zu groß sind die Vorurteile, zu tief scheinen die Verstrickungen der christlichen Kirchen mit Ereignissen der jüngeren Geschichte, zu abgegriffen manche religiöse Formel.
In dieser Situation kommt es darauf an, christliche Antworten auf wichtige Lebensfragen unverkrampft und in einer zeitgemäßen Sprache zu formulieren. Lothar Bauerochse und Klaus Hofmeister, beide Redakteure der Kirchenredaktion des Hessischen Rundfunks, haben zwölf solcher Antworten zusammengetragen. Hörfunkjournalisten, die fast alle auch Theologen sind, haben sich mit Gott als Schöpfer beschäftigt, mit dem christlichen Bild des Menschen, mit der Frage nach der Leidensfähigkeit Gottes, der Möglichkeit, Gott zu erfahren, oder mit Schuld und Vergebung. Sie lassen jeweils Experten zu diesen Themen zu Wort kommen, wie Anselm Grün, die evangelische Bischöfin Margot Käßmann oder Pierre Stutz. Fulbert Steffensky, der bekannte Hamburger Religionspädagoge, setzt sich zu Beginn mit dem Verhältnis von Glaube und Skepsis auseinander („Der Glaube hat eine Schwester, die er liebt. Auf jeden Fall sollte er sie lieben: die Skepsis. Die Skepsis hat einen Bruder, ohne den ihr Leben karg wäre, den Glauben.“) und gibt damit dem Buch seinen Rahmen. Herausgekommen sind dabei zwölf lebensnahe Texte, die ohne konfessionelle Zuspitzungen auskommen und glaubwürdige, erfahrungsgesättigte Antworten auf wichtige Lebensfragen bieten. Zugleich bleiben die Fragen in den Antworten präsent, keiner der Autoren und ihrer Gesprächspartner gibt vor, eine letztgültige Antwort zu haben.
„Und wenn es ihn doch gibt…“ lautete die Botschaft auf einem Reisebus, der die atheistische Buskampagne begleitete. Wer für diese Möglichkeit offen ist, findet in dem Buch von Lothar Bauerochse und Klaus Hofmeister Antworten auf die Frage, wie man auch in unserer Zeit glauben kann.
Christoph Holzapfel, Borromäusverein