Der Monat November ist mit dem Fest Allerheiligen und dem Volkstrauertag von kirchlicher wie von staatlicher Seite traditionell dem Totengedenken gewidmet. Für nicht wenige Menschen ist jedoch das mit diesen Anlässen zwangsläufig verbundene Erinnertwerden an den eigenen Tod mit erheblichen Ängsten besetzt. Diese Ängste ernst zu nehmen, ihnen aber den Trost und die Zuversicht der christlichen Auferstehungshoffnung entgegenzusetzen, ist das Anliegen des neuesten Buches des Benediktinerpaters Anselm Grün, "Was kommt nach dem Tod?".
In zwei kurzen Einführungskapiteln geht der zur Zeit wohl bekannteste Autor spiritueller Literatur in Deutschland zunächst darauf ein, was Psychologie und Philosophie über den Tod und eine mögliche Unsterblichkeit der Seele sagen - wohl wissend, dass eine solche gedanklich postulierte Unsterblichkeit nicht heranreicht an das, was in der christlichen Religion mit Auferweckung von den Toten gemeint ist. Doch zeige sich daran immerhin bereits, "dass tief in unserer Seele eine Ahnung von ewigem Leben" ist. Die beiden Hauptkapitel stellen dann die biblischen Bilder von Tod und ewigem Leben sowie die Aussagen der Theologie dazu dar. Dabei erweisen sich die von der Bibel herangezogenen Vergleiche als ungemein trostreiche Darstellungen der christlichen Hoffnung auf unsere Auferweckung vom Tod durch den uns liebenden Gott, die sich in bloßen Worten nicht ausreichend ausdrücken ließe: Jesus, der uns im Haus des Vaters eine Wohnung bereitet hat; oder das himmlische Jerusalem als Ort absoluter Sicherheit und strahlender Schönheit; oder etwa das königliche Hochzeitsmahl als Ausdruck immerwährender Festesfreude.
Die Theologie hat dann versucht, diese und andere biblische Bilder systematisch zu beschreiben und in einen Zusammenhang zu bringen, so dass auch die Fragen der Vernunft zu Tod und ewigem Leben tragfähige Antworten finden können. In diesem Kapitel geht es dem Autor vor allem auch darum zu erklären, wie die ebenfalls biblischen Vorstellungen von Gericht und Hölle dennoch vereinbar sein können mit der Hoffnung auf einen verzeihenden, barmherzigen Gott. Im Wesentlichen gehe es für den Christen nämlich gerade darum, aus dieser Spannung heraus zwischen erhoffter Erlösung und der bleibenden Möglichkeit des Scheiterns, des "Sich-endgültig-Verschließens gegenüber Gott", das Leben in seinem ganzen Ernst zu erfassen und zu gestalten. Von hier aus wird dann in den beiden Schlusskapiteln gezeigt, was es für das alltägliche Leben heißt, aus der Hoffnung zu leben und in der Hoffnung zu sterben: Im Bewusstsein der Bedeutung und der Einmaligkeit unseres Lebens Verantwortung für diese Welt zu übernehmen, sich dann aber angesichts des herannahenden Todes nicht verzweifelt am Leben festzuklammern, sondern im Sterben voll Vertrauen sich in Gottes Liebe zu ergeben.
Anselm Grün schreibt wie immer sehr anschaulich und lebensnah, er erhebt nicht den Anspruch, mit diesem Buch eine eigene Theologie der "letzten Dinge" vorzulegen, es geht ihm vielmehr darum, die christliche Glaubenslehre über Tod und Auferstehung für einen großen Leserkreis darzulegen und verständlich zu machen. Und das ist ihm ganz hervorragend gelungen. In einer Zeit, in der entsprechenden Umfragen zufolge selbst viele Christen nicht mehr an eine Auferstehung von den Toten glauben, ist einem solchen Buch möglichst weite Verbreitung zu wünschen!
(Thomas Steinherr, Sankt Michaelsbund)