Der Abschnitt aus dem Lukasevangelium über die beiden Jünger auf dem Weg nach Emmaus gehört wohl zu jenen biblischen Texten, in denen sich auch moderne Menschen ohne größere Schwierigkeiten wiederfinden können. In dieser Überzeugung haben die beiden Theologen Thomas Ochs und Thomas Geuppert gemeinsam zehn Betrachtungen über die Erfahrung der Emmausjünger verfasst, in denen sie zunächst jeweils die damalige Situation jener Jünger genau zu erfassen und nachzuempfinden versuchen, um dann Ähnlichkeiten im Leben der heutigen Menschen aufzuspüren und Anregungen zu geben, daraus Rückschlüsse zu ziehen für den eigenen Lebensweg. Die Autoren teilen dazu den Erfahrungsweg der Emmausjünger in zehn „Etappen“ ein, die sowohl für äußere Ereignisse wie für deren inneres Erleben stehen.
Zunächst die dem Weg vorausgehende Erfahrung der Begeisterung von Jesus, die dann durch dessen schändlichen Tod geradewegs „durchkreuzt“ wurde; es folgt das Davonlaufen der Jünger, bei dem sie ihre Ratlosigkeit wenigstens noch miteinander besprechen können; Jesus ist auf diesem Weg jedoch bereits dabei, wenn auch unerkannt; am Ziel ihrer Wanderung angelangt, bitten die Jünger ihren unbekannten Weggefährten, bei ihnen zu bleiben; als sie ihn schließlich beim Brotbrechen erkennen, erfahren sie alles als grundlegend verwandelt; nach diesem Erlebnis kehren sie sofort, auch durch die einbrechende Nacht hindurch nach Jerusalem zurück, um dort mit den anderen Jüngern ihre Freude zu teilen und ihre Erfahrung mit dem Auferstandenen zu bezeugen; die letzte Station des Weges findet sich nicht mehr in der Emmauserzählung des Lukasevangeliums selbst, doch sie erschließt sich aus der Apostelgeschichte: gemeinsam gehen die Jesus-Jünger von nun an den weiteren Weg durchs Leben.
In einer klaren Sprache ohne theologische Fachbegriffe werden diese verschiedenen, aber doch ganz eng zusammengehörenden Aspekte der Emmausgeschichte bedacht und dargelegt. An die einzelnen Meditationen, die meistens nur zwei bis drei Seiten umfassen, schließen sich jeweils mehrere Impulsfragen an, die helfen sollen, das Bedachte auf das eigene Leben zu beziehen. Abgeschlossen wird jede Etappe dann mit einem Gebet, das die entsprechenden Erfahrungen aufgreift und vor Gott bringt. Durch diese Konzeption eignet sich das Buch ebenso gut für die persönliche Lektüre, für Exerzitien im Alltag wie für gemeinsame Gespräche und Pilgerwege – zu diesem Zweck sind in einem Anhang zahlreiche passende Lieder angefügt, mit Noten und Gitarrenakkorden. So wird dieses schöne Büchlein sicherlich auch in der Gruppenarbeit mit Jugendlichen gerne eingesetzt werden.
Thomas Steinherr, Sankt Michaelsbund