Der Fisch ist nach dem Kreuz das wohl bekannteste Symbol für das Christentum. Als Autoaufkleber ist er bei vielen Christen beliebt, weshalb manchmal auch liebevoll-spöttisch vom Christentum als „Angelclub“ gesprochen wird. Auch der Adler, der Kreis oder das Buch sind christliche Symbole – die Aufzählung ließe sich lange fortsetzen. Ohne solche Symbole käme wohl keine Religion der Welt aus, erschließen sie doch eine Wirklichkeit jenseits unserer sinnlichen Wahrnehmung. „Vom unsichtbaren Gott können wir nicht anders als in Symbolen reden“, betont daher der Aachener Religionspädagoge Rainer Oberthür in seinem soeben erschienenen „Buch der Symbole“.
Oberthür bietet sich Erwachsenen genauso wie Kindern (ab ca. 8 Jahren) als „Reiseführer“ durch die Welt der christlichen Symbole an. Mit der Formel „Symbole bestehen aus Tatsache und Geheimnis“ fasst er zusammen, was ein Symbol ausmacht. In ihm verbindet sich eine Geschichte oder eine Vorstellung mit einem sinnlich erfahrbaren Gegenstand („Tatsache“) und wird so zu einem Hinweis auf eine über diese Welt hinausgehende Wirklichkeit („Geheimnis“), so wie der Regenbogen durch seine Verbindung mit der Sintfluterzählung auf die Wirklichkeit Gottes verweist.
Oberthür hat für seine Reise vierzig christliche Symbole ausgewählt, die er in zehn „Symbol-Landschaften“ gliedert, darunter Zahlen, Formen, Farben und Tiere. Die Zahlen 10 und 40 sind natürlich kein Zufall, symbolisieren sie doch Ganzheit und Vollkommenheit. Jede Symbolerklärung knüpft unter der Überschrift „Stell dir vor...“ an der Wirklichkeit und der Erfahrung der kleinen und großen Leser/innen an. Daran schließen sich Sacherklärungen an (Wie entsteht ein Regenbogen? - Warum ist der Himmel blau? - Wie entsteht ein Gewitter?) und Hinweise auf die Bibelstellen, in denen es um das Symbol oder um den entsprechenden Gegenstand geht. Schließlich beschreibt Oberthür, was die Symbole jeweils für Christen bedeuten. Aufgelockert werden diese Erklärungen durch Geschichten, Bilder, Gedichte und Lieder, die auf ihre Weise einen Zugang zu dem jeweiligen Symbol eröffnen.
Zwischendurch schiebt Oberthür kurze Kapitel ein, in denen er Geschichte und Funktion von Symbolen ganz allgemein beschreibt. Auch diese Erläuterungen sind keine theorielastigen Texte, vielmehr versteht er es auch hier, die Informationen durch Geschichten oder aus dem Leben gegriffene Beispiele anschaulich zu machen. Auch die Symboldidaktik am Ende des Buches bleibt bei dieser Anschaulichkeit. Erwachsene, ganz gleich ob Eltern, Erzieher/innen oder Pädagogen, finden darin Anregungen, wie sie Kindern mit Hilfe dieses Buches die Welt der christlichen Symbole erschließen können. Zu sieben Symbolen finden pädagogisch interessierte Leser/innen außerdem methodische Impulse für den Unterricht.
Mit dem „Buch der Symbole“ ist Oberthür ein ansprechend gestalteter, lebendiger und informativer Reiseführer durch die Welt der christlichen Symbole gelungen. Erwachsene und Kinder gleichermaßen können mit seiner Hilfe die Symbolsprache des Christentums kennen und verstehen lernen und auf diese Weise im Glauben wachsen und reifen.
(Christoph Holzapfel, Borromäusverein)