Den christlichen Glauben Jugendlichen zu vermitteln, stellt Eltern, Lehrer und kirchliche Amtsträger bekanntermaßen vor immer neue (und keine geringen) Herausforderungen. In dieser Situation ist es stets wertvoll, zurückgreifen zu können auf bewährte Materialien von Autoren, die selbst noch jung und dennoch schon erfahren sind in der Jugendpastoral. Der katholische Pfarrer Christof May (Jahrgang 1973) hat in dem kleinen Buch „jung.entschieden.christlich“ geistliche Impulse gesammelt, die er bei Jugendexerzitien während der letzten Jahre eingesetzt hat. In ihrer Gesamtheit ergeben sie eine gute erste Hinführung an zentrale Glaubensaspekte, die im Leben jedes jungen (aber natürlich auch älteren) Menschen Bedeutung haben.
Gerade Jugendlichen stellt sich das Leben noch voller Entscheidungsmöglichkeiten dar und damit als ein ebenso verheißungsvolles wie beängstigend unüberschaubares weites Feld. Der Autor möchte den Jugendlichen für diese Situation der so zahlreichen offenen Alternativen einen „Lebenskompass“ mitgeben, der es ihnen ermöglicht, für die existentiellen Fragen des Lebens Richtung und Ziel zu finden: Jesus Christus, der sich dann auch als tragende und bewegende Mitte des Lebens erweist. Sich selbst mit Stärken und Schwächen annehmen, den Anruf Gottes zu einem trotz aller Begrenztheit sinn-vollen Leben hören, sich für Jesus Christus entscheiden und diese Entscheidung in Treue weitertragen, das Evangelium mutig auch gegen eine „Mainstream“-Gesellschaft in die eigene Lebenspraxis umsetzen – im Wesentlichen sind dies die Antworten auf die wichtigsten Fragen, die Jugendliche bewegen und die anhand verschiedener lebensnaher Bilder immer wieder aufgegriffen und mit Hilfe ausgewählter Schriftstellen und einiger anderer kurzer Texte erläutert und veranschaulicht werden. Der Autor bedient sich dazu einer jugendnahen, sehr direkten und bildhaften Sprache, ohne sich aber in einer allzu zwanghaften Jugendsprache anzubiedern. Weniger geglückt erscheint in diesem Zusammenhang die Covergestaltung des Buches, die zu werbewirksam strahlende junge Leute präsentiert, die eben gerade nicht wie aus dem normalen Leben gegriffen erscheinen.
Natürlich kann es bei einer solchen ersten Hinführung immer nur um einige Grundfragen gehen, viele Aspekte des christlichen Glaubens kommen dagegen gar nicht vor oder werden nur sehr knapp und zugespitzt behandelt – subtile Differenzierungen, offen bleibende Fragen und (Selbst-)Kritik an Fehlentwicklungen in Geschichte und Gegenwart von Religion und Kirche bleiben dabei weitgehend ausgeblendet. Es wäre aber tatsächlich auch zu viel verlangt, dies in einer solchen ermutigenden Wegweisung zum Glauben erwarten zu wollen. Ziel dieses Buches ist es, Jugendlichen erst einmal Mut zu machen, den christlichen Glauben als fundamentale Lebensentscheidung zu bejahen, ihre jugendliche Begeisterungsfähigkeit einzusetzen für ein Leben, das offen ist für eine lebendige Beziehung zu Gott und zu Jesus Christus. Und zu diesem Zweck lässt sich das Buch in jedem Fall gut einsetzen in der Firmvorbereitung, in der Katechese und in der Jugendpastoral ganz allgemein.
Thomas Steinherr, Sankt Michaelsbund