24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Das Kapital

von Reinhard Marx. Verlag Pattloch, München 2008

Angesichts der internationalen Finanzmarktkrise kommt das neue Buch des Münchner Erzbischofs mit dem anspielungsreichen Titel zweifellos genau zur rechten Zeit. Denn nach der Ernüchterung über die immer deutlicher zu Tage tretenden Schattenseiten eines globalisierten und immer unbeschränkteren Kapitalismus macht sich eine gewisse Ratlosigkeit breit. Orientierung suchen in dieser Situation nicht wenige wieder von neuem bei den Theorien von Karl Marx, der ja vor mehr als 140 Jahren mit seinem Buch "Das Kapital" das Scheitern des Kapitalismus vorausgesagt hat. Dass es jedoch sehr wohl einen dritten Weg, einen Weg zwischen Kapitalismus und Kommunismus gibt, will Erzbischof Reinhard Marx mit seiner sehr aktuellen Darstellung der katholischen Soziallehre zeigen.

Die Analyse der gegenwärtigen wirtschaftlichen Schieflage und der daraus folgenden gesellschaftlichen Probleme in einem globalisierten Kapitalismus liefert dem Autor gewissermaßen den Kontrast, vor dem er dann die Prinzipien der katholischen Soziallehre anschaulich erklärt: die personale Würde des Menschen, die niemals allein in dessen Arbeitskraft und Leistungsfähigkeit, aber auch nicht in Besitz und Kapital aufgehen kann; Gerechtigkeit, die zur Solidarität der Menschen untereinander auffordert; die Freiheit des Individuums, die subsidiäre Hilfe statt Bevormundung verlangt. Vieles wird dabei an aktuellen Beispielen aus Wirtschaft und Gesellschaft verdeutlicht. Das besondere Verdienst des Buches liegt aber gerade darin zu zeigen, dass die katholische Soziallehre nicht in Auseinandersetzung mit einzelnen sozial-ökonomischen Problemen entstanden ist, sondern auf der Basis des christlichen, des biblischen Menschenbilds. So bietet die katholische Soziallehre auch keine konkreten politischen Lösungsvorschläge, doch sie weist die Richtung, in der diese gesucht werden müssen, wenn der unumgängliche gesellschafts- und wirtschaftspolitische Rahmen für die Individuen zu einer wirklich umfassend verstandenen menschlichen Freiheit führen soll, einer Freiheit, die Gerechtigkeit nicht als ihre Einschränkung bekämpft, vielmehr als ihre notwendige Ergänzung begreift. Die freie Marktwirtschaft braucht deshalb einen Ordnungsrahmen, der sie zur sozialen Markwirtschaft macht und so Freiheit erst für wirklich alle Menschen ermöglicht. Dass dabei die durch die Globalisierung der Kapitalströme entstandenen Probleme nur gelöst werden können durch eine Globalisierung auch der Solidarität, ist eine Erkenntnis, die aus der ökonomischen Vernunft gewonnen werden kann, die aber zuallererst bereits aus der Universalität des christlichen Glaubens folgt, der in schlechthin jedem Menschen Gottes Abbild sieht.

Durchaus im Sinne einer solchen "positiven Globalisierung" ist es natürlich, dass das Buch von Erzbischof Reinhard Marx - sicher auch ein Verdienst des geschickt gewählten Titels - auch international bereits Beachtung gefunden hat. In jedem Fall kann es erheblich dazu beitragen, die katholische Soziallehre als eine ethisch fundierte, langfristig gesehen aber auch ökonomisch erfolgversprechende Option bekannter zu machen. Und nicht zuletzt wird es manchen religiös interessierten Lesern wieder mehr zu Bewusstsein bringen, dass Christen durch ihren Glauben immer auch zu einem gesellschaftlichen Engagement aufgerufen sind. (Thomas Steinherr, Sankt Michaelsbund)

 

Januar 2009

Hintergrund

Als “Religiöses Buch des Monats” benennen der Borromäusverein, Bonn, und der Sankt Michaelsbund, München, monatlich eine religiöse Literaturempfehlung, die inhaltlich-literarisch orientiert ist und auf den wachsenden Sinnhunger unserer Zeit antwortet.

Das religiöse Buch des Monats Januar 2009[mehr]

Das Kapital

von Reinhard Marx
PATTLOCH(2008)
Hardcover
Ein Plädoyer für den Menschen. Ausgezeichnet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Wirtschaftsbuchpreis 2009 ISBN-10: 3629021557 ISBN-13: 9783629021557 MedienNr.: 286023 19.95 €
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