In der Advents- und Weihnachtszeit ist der Wunsch nach Wärme und Geborgenheit stärker als sonst spürbar. Die Menschen rücken enger zusammen. Mit Kerzen, Lichterketten und ganzen Lichtinstallationen versuchen sie, die Dunkelheit der Winternächte zu vertreiben. Robert Zollitsch, Erzbischof von Freiburg und seit Februar dieses Jahres auch Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz, wertet das als Ausdruck der menschlichen Sehnsucht nach Gott. Sein Buch ist eine Einladung, auf diese Sehnsucht zu hören und das Geheimnis des Weihnachtsfestes zu entdecken: Gott seinerseits hat so große Sehnsucht nach den Menschen, dass er ihnen in Jesus Christus entgegenkommt. Der Gott, den Zollitsch beschreibt, ist kein ferner Gott, kein abstraktes Prinzip, sondern einer, der das menschliche Leben am eigenen Leib erfahren hat.
Dem Geheimnis von Weihnachten nähert sich der Freiburger Erzbischof in acht Meditationen. Darin beschreibt er die Adventszeit als eine Zeit des intensiven und bewussten Wartens und Suchens. "Warten heißt: unser Leben auf Gott hin zu öffnen. Das heißt nicht, einfach sitzen zu bleiben und abzuwarten, sondern die Tür zu öffnen und das Tor weit zu machen. Es heißt, uns aktiv auf den Weg zu machen und dem Herrn entgegenzugehen."
Dazu gehöre zum einen, die Sinne zu schärfen, um die Zeichen Gottes im Alltag wahrnehmen zu können. Zum anderen gelte es, sich auf die Verheißungen einzulassen, von denen in den biblischen Texten der Adventszeit die Rede ist, besonders in den Visionen des Jesaja. Die Christen sollen sich von der Hoffnung anstecken lassen, die diese Texte ausstrahlen, wünscht sich Zollitsch, und sich fragen: "Warum sollte Gott das nicht Wirklichkeit werden lassen - mit uns, in uns und manchmal auch: trotz uns?" Dass in den Bibeltexten im Advent auch vom Gericht die Rede ist, blendet der Erzbischof von Freiburg dabei keineswegs aus. Doch dieser Richter sei zugleich der Retter der Menschen, betont er, der aus Liebe zu den Menschen selbst Mensch geworden sei. "Seine Wiederkunft bedeutet Erlösung, Vollendung des Reiches Gottes, Erfüllung aller Sehnsucht, die in uns lebt."
Was die Christen an Weihnachten feiern, beschreibt Zollitsch mit einem kurzen Zitat des Kirchenvaters Augustinus: "Gottes Sehnsucht ist der Mensch." Weil ihm so viel an den Menschen liegt, ist er zu uns gekommen, als hilfloses Baby. Er verzichtete auf Allmacht und Erhabenheit, um ganz nah bei den Menschen zu sein und Auge in Auge ihr Leben zu teilen. Daher lade die Weihnachtsbotschaft die Menschen dazu ein, ihren Mitmenschen auf Augenhöhe zu begegnen und sich ihnen zuzuwenden. Die drei Weisen aus dem Morgenland, von denen die Weihnachtsgeschichte erzählt, stellt Zollitsch seinen Leser/innen als Vorbilder für den Ausbruch und Aufbruch aus dem Alltag vor, der nötig ist, um Gott entgegenzugehen. Sie machten Mut, "dem Stern der Verheißung Gottes" zu folgen, der unweigerlich zur Mitte des Glaubens führe. Ihre Geschichte mache deutlich, dass die Suche nach Gott großer Leidenschaft bedarf, getrieben von der Sehnsucht nach Sinn und letztlich nach Gott.
Robert Zollitsch zeigt in seinem Buch, dass Advents- und Weihnachtszeit die Gelegenheit bieten, die eigene Sehnsucht nach Gott und Gottes Sehnsucht nach den Menschen zu entdecken - und zu feiern. Seine warmherzigen und bodenständigen Texte tragen, wie die in der dunklen Jahreszeit überall aufflammenden Lichter, dazu bei, die Dunkelheit zu vertreiben und die Sehnsucht nach Gott zu wecken. (Christoph Holzapfel)