Der regelmäßige Gottesdienstbesucher spricht (oder singt) es jeden Sonntag – das christliche Glaubensbekenntnis. In ganz wenigen Sätzen sind in diesem „Credo“ die zentralen Aussagen des christlichen Glaubens zusammengefasst, jede und jeder Getaufte sollte es auswendig können. Dennoch ist es natürlich immer wieder nötig, diese verdichteten Kurzformeln im eigenen Bewusstsein ausführlicher zu entfalten und mit dem konkreten Leben in der heutigen Zeit in Bezug zu bringen. Das neue Buch des Augsburger Dogmatikprofessors Thomas Marschler leistet eine solche Umsetzung der allgemeinen Bekenntnisformeln des Apostolischen Glaubensbekenntnisses in eine aktuelle, lebenspraktische und spirituell bereichernde Darstellung des christlichen Glaubens in vorbildlicher Weise.
Gleich der erste Abschnitt über Sinngehalt und Bedeutung des Bekenntnisses „Ich glaube“ ist einer der zentralen Beiträge des Buches. Denn der Autor zeigt hier in sehr nachvollziehbarer Weise auf, dass religiöser Glaube etwas ganz anderes meint als die gewöhnliche Wortbedeutung von „glauben“ im Alltag, die dort ungefähr der Feststellung „ich weiß es nicht, halte es aber für wahrscheinlich“ entspricht. Der Glaube an Gott bedeutet jedoch viel mehr, er bedeutet, dass man jemandem glaubt, einer Person, dass man an diese Person glaubt, d.h. ihr vertraut und sich von dieser Person ansprechen lässt. Inwieweit der Glaube an Gott noch einmal eine wesentlich tiefere Dimension hat als das Vertrauen in menschliche Personen, entfalten die nächsten drei Kapitel, die über Gott, den allmächtigen Vater, sprechen – einerseits Antwort auf die unverzichtbare Frage des Menschen nach dem Sinn, andererseits aber auch eine für den Menschen in ihrer Größe letztlich unergründliche Realität. Hier ist auch der Ort, über das Geheimnis der Dreifaltigkeit nachzudenken, durch das dem Menschen zumindest eine Ahnung von Gottes Wesen geoffenbart ist. Jesus Christus, eingeborener Sohn, unser Herr, geboren von der Jungfrau Maria – hier gilt es natürlich, dem Geheimnis der Menschwerdung Gottes nachzuspüren, die wir jedes Jahr zu Weihnachten feiern; gelitten, gekreuzigt, gestorben und begraben, am dritten Tage auferstanden von den Toten – die österlichen Geheimnisse und ihre Entfaltung machen dann natürlich in jeder Hinsicht die Mitte des ganzen Buches aus. Ebenso lesenswert sind aber auch die nachfolgenden Überlegungen zu den vergleichsweise nicht ganz so oft bedachten Glaubenssätzen: Von dort wird er kommen zu richten die Lebenden und die Toten – dieser Satz mahnt uns sehr eindringlich, an das Ende zu denken, wenn auch nicht in lähmender Angst, sondern im Vertrauen auf den gerechten Richter. Zu glauben an die heilige katholische Kirche und die Gemeinschaft der Heiligen – dass auch diese Aussagen des Credo keineswegs zweitrangig sind, versteht der Autor bestens deutlich zu machen. Auch Vergebung der Sünden, Auferstehung der Toten und das ewige Leben sind Themen, die heute oft eher am Rande gesehen werden – durch die inhaltsreichen Auslegungen Marschlers wird es für die Leser einleuchtend und nachvollziehbar, dass sie für ein christliches Glaubensbekenntnis dennoch unverzichtbar sind.
Auf eindrucksvolle Weise gelingt es dem Autor, auch komplexe Sachverhalte und differenzierte Argumentationen den Lesern sehr anschaulich und gut verständlich nahezubringen. Man lernt viel aus diesem Buch, das jedoch keineswegs bloß informiert, vielmehr seinen Lesern eine Vielzahl von Gelegenheiten gibt, sich von den dargestellten Glaubenswahrheiten auch wirklich an-sprechen zu lassen, und so einen schönen und wertvollen Beitrag leistet, jeden Christen immer wieder neu zur Antwort des Glaubens herauszufordern.
(Thomas Steinherr, Sankt Michaelsbund)