Stephenie Meyers Romane um die Liebe der jungen Bella Swan zum edelmütigen Vampir Edward Cullen haben eine ähnlich treue Fangemeinde wie die „Harry Potter"-Bücher. Die erste Filmadaption „Twilight" (fd 39 085) übertraf an den Kinokassen alle Erwartungen; „New Moon" hat in den USA eines der erfolgreichsten Startwochenenden der Filmgeschichte hingelegt. Die Vampir-Saga ist längst zu einem mächtigen Fandom geworden; neben den üblichen Devotionalien wie Kalendern oder Schmuck gibt es „Twilight Conventions" und Tausende von Fan-Storys im Internet, die die Reihe bis in krudeste Seitenverästelungen fort- und ausspinnen. Solche Phänomene kultischer Anhängerschaft machen neugierig: Welcher Nerv wird da zum Klingen gebracht? Was hat das Stück Literatur und/oder Film, was so viel Begeisterung und Fantasie freisetzt? Der neue Film dürfte kaum dazu taugen, diese Frage für einen nicht sowieso schon „infizierten" Zuschauer zu beantworten. Vielleicht war die Strahlkraft ihres Franchise eine allzu sichere Bank für die Macher: Große Mühe haben sie sich nicht gegeben, einen eigenständigen Film zu kreieren, der auch ohne den Nimbus der Buchvorlage funktioniert.
Die Tücken des Mittelteils
Hatte es Catherine Hartwicke im ersten Teil noch verstanden, für die Teenager-Befindlichkeiten und die schwarzromantische Liebesgeschichte stimmige Bilder zu finden, tut sich Chris Weitz schwer, der Vorlage Leben einzuhauchen; und während es Drehbuchautorin Melissa Rosenberg in „Twilight" noch gelang, eine tragfähige Filmdramaturgie zu bauen, scheitert sie nun an den Tücken eines Mittelteils, der lediglich seine Stationen abklappert, um die Weichen für einen dritten Teil zu stellen. Inhaltlich schließt „New Moon" an die Problematik an, mit der Teil 1 aufhörte: Wie kann die Liebe zwischen Menschenmädchen und Vampirjüngling gelingen? Dagegen steht die Gefahr, in die ein Mensch gerät, wenn er in Kontakt mit den Blutsaugern kommt, aber auch die Kluft zwischen der Sterblichen und dem Unsterblichen - zumindest solange sich der Vampir aus moralischen Gründen weigert, seine Liebste ebenfalls zur Vampirin zu machen. Während Bella bereit ist, allen Widerständen zum Trotz ihre Liebe zu leben, will Edward das Mädchen schützen, indem er es verlässt und mitsamt seines Familienclans aus dem Städtchen Forks verschwindet. Bella droht allen Lebensmut zu verlieren, bis die Freundschaft zu Jacob ihr neuen Halt gibt. Doch auch mit dem jungen Mann aus dem Reservat lässt sich aus übersinnlichen Gründen keine normale Beziehung auf die Beine stellen, und sei sie auch nur freundschaftlich. Gefahr droht Bella zudem durch unangenehme alte Bekannte.
Allein gelassen
„Twilight“ bezog seinen Reiz aus der sensiblen Darstellung des Scheidungskindes Bella, das sich nach einem Umzug in einer neuen Umgebung einleben muss, und aus der Faszination einer unmöglichen Liebe, deren verhaltene Erotik sich gerade aus der Notwendigkeit der Enthaltsamkeit befeuerte – was man als Ausdruck von Meyers konservativen religiös-moralischen Vorstellungen ansehen kann, aber auch einfach als Spannungsprämisse, an der sich ein clever konstruiertes Fantasy-Melodram aufhängen lässt. Teil 2 muss nun jedenfalls weitgehend ohne diese Faktoren auskommen, und es gelingt ihm nicht, aus Bellas Trennungsschmerz und den folgenden Verwicklungen mit Werwölfen und Vampiren adäquate Funken zu schlagen. Manchmal scheint die Inszenierung fast schon mutwillig Suspense-Potenzial zu verschenken, etwa wenn es um die latente Bedrohung Bellas durch die rachsüchtige Blutsaugerin Victoria geht. Dann wieder wirkt die Anbiederung an die vermeintlichen Vorlieben weiblicher Teenager gar zu plump; so droht es fast zum Running Gag zu geraten, wenn die männlichen Darsteller ständig ihre Oberkörper entblößen müssen (die im Fall der ansonsten völlig konturlos bleibenden Werwolf-Gang auch noch fatal an Unterwäschemodels der 1980er erinnern). Die filmische Inszenierung zu Songs von Bands wie The Killers oder Death Cab for Cutie gerät derweil oft zum kitschigen Musikvideo-Posing. Am meisten schadet dem Film allerdings, dass er in der Darstellungen des Innenlebens seiner Heldin kein filmisches Pendant zum inneren Monolog des Romans findet; der Gefühlsausdruck bleibt oft gesprochene Textpassagen beschränkt, deren formelhafter Charakter wenig überzeugt. Die in solchen Momenten nicht nur von ihrem Liebsten, sondern auch der Regie allein gelassene Heldin kann nicht verhindern, dass so einiges eher unfreiwillig komisch als anrührend wirkt. Vielleicht sehen Fans, die die wenig inspirierte Adaption mit einer Transfusion eigenen Herzbluts beleben, darüber hinweg; andere dürfte der Film kalt lassen.
Felicitas Kleinert/Filmdienst