24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

weitere Termine

Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

Ausgezeichnete Bücher

Entdecken Sie unsere Bücher des Monats!

Erweiterte SucheStandardsuche

Aktionen…

Schränkt die Suche auf Artikel ein, die Teil der Weihnachts- (WA), Kinderbuch- (KiBu) und/oder Erstkommunions-Ausstellung (EK) sind. Werden keine anderen Suchkriterien eingegeben, können Sie sich z.B. alle Artikel der Kinderbuchaustellung anzeigen lassen.

Den Sprachlosen eine Sprache geben

„Wir brauchen viele Bücher, viele, viele, verschiedene Bücher. Viele kleine Gucklöcher in der Wand, die zwischen uns und der oft so unverständlichen Welt steht“, schreibt Mirjam Pressler auf ihrer Internetseite. Viele dieser Gucklöcher hat sie selbst geschaffen, als Schriftstellerin und als Übersetzerin, zuletzt „Nathan und seine Kinder“, eine Neuerzählung der Ringparabel von G. E. Lessing, und „’Grüße und Küsse an alle’“ über die Familie von Anne Frank. Am 18. Juni 2010 feiert sie ihren siebzigsten Geburtstag.

Fragt man Mirjam Pressler, wie sie auf die Idee zu „Nathan und seine Kinder" gekommen ist, berichtet sie von ihren Töchtern, die Lessings „Ringparabel" in der Schule lesen mussten - und nichts damit anfangen konnten. Geschichten müssen immer wieder und immer wieder neu erzählt werden, damit sie nicht verloren gehen. Deshalb hat sie überlegt, wie sie die „Ringparabel" so gestalten kann, dass ihre Töchter und junge Leute überhaupt einen Zugang zu der Geschichte finden. Dazu musste sie die Figuren, die Lessing mehr andeutet als ausgestaltet, zum Leben erwecken und den historischen Hintergrund erklären, ohne den die Geschichte nicht zu verstehen ist.

Leben, Farbe, Charakter bekommen Presslers Figuren durch die Sprache, die sie ihnen gibt, „damit sie ihre Sehnsüchte formulieren und ihre Ansprüche anmelden können", wie sie sagt. Für ihre Figuren sei Sprache lebenswichtig, überlebenswichtig, sagt Pressler. Diese Sprache zu finden, sei schwierig, aber „Sprachloses in Sprache zu übersetzen" sei nun mal die Aufgabe des Schriftstellers. Das gilt auf andere Weise auch für ihre Beschäftigung mit Anne Frank. Sie hat die Tagebücher Ende der achtziger Jahre neu übersetzt und sich dabei intensiv mit Anne Frank und ihrer Familie beschäftigt. Die Biografie „Ich sehne mich so" (2000) war das Ergebnis ihrer jahrelangen Recherche.

Als dann in Basel bislang unbekannte Briefe von Anne Frank auftauchten und zahlreiche Dokumente, die die Geschichte ihrer Familie erhellten, lag es auf der Hand, dass Mirjam Pressler sie zu einer Familienchronik der Franks verdichten würde: „'Grüße und Küsse an alle'", erschienen 2009.

Mirjam Pressler ist Jüdin und hat als junge Frau ein Jahr in Israel gelebt, in einem Kibbuz. Dass das Schicksal der Juden nicht in Vergessenheit gerät, ist ihr deshalb sehr wichtig. Daher rührt ihr Interesse am Judentum und an der Übersetzung israelischer Literatur.

Ein anderes Kapitel ihrer Lebensgeschichte schlägt sich ebenfalls in ihren Büchern nieder: Sie wuchs in einer Pflegefamilie und im Kinderheim auf. Besonders deutlich sichtbar wird das in den beiden autobiografisch gefärbten Büchern „Novemberkatzen" (1982) und „Wenn das Glück kommt, muss man ihm einen Stuhl hinstellen" (1994). Weil sie am eigenen Leib erfahren hat, wie schwierig eine Kindheit sein kann, bietet sie ihren Lesern weder einfache Lösungen an, noch heile Kinderwelten. In ihren Kindheitserfahrungen wurzelt der Wunsch, anderen durch ihre Bücher eine Sprache zu geben.

Mirjam Pressler hat sich nicht nur als Schriftstellerin einen Namen gemacht, sondern auch als Übersetzerin. Sie übertrug mehr als 300 Bücher, u.a. von Amos Oz, Batya Gur, Zeruyah Shalev und Bart Moeyart ins Deutsche. „Beim Übersetzen komme ich mir vor wie ein Musiker, der eine fremde Komposition interpretiert", schreibt sie auf ihrer Internetseite. Übersetzen sei für sie nicht nur eine der schönsten, sondern auch eine der wichtigsten Tätigkeiten, die es gibt. Denn: „Bücher aus fremden Literaturen bauen Fremdheiten ab, wir erweitern durch sie unseren - nicht nur literarischen - Horizont."

Herzlichen Glückwunsch, Mirjam Pressler; hoffen wir, dass Ihnen noch viel Zeit zum Schreiben und Übersetzen bleibt!

Kurzbiografie

Mirjam Pressler, geboren 1940 in Darmstadt, wuchs bei Pflegeeltern auf. Sie studierte an der Akademie für Bildende Künste in Frankfurt und Sprachen in München und lebte für ein Jahr in einem Kibbuz in Israel. Zurück in Deutschland arbeitete sie in verschiedenen Jobs, unter anderem führte sie einen eigenen Jeansladen. Sie hat drei inzwischen erwachsene Töchter, die sie nach der Scheidung von ihrem ersten Mann allein großgezogen hat. Heute lebt sie als freie Autorin und Übersetzerin bei München.

Medienempfehlungen[mehr]

Mirjam Pressler

Medienempfehlungen zum 70. Geburtstag von Mirjam Pressler [mehr]

Seite weiterempfehlenFormular schließen

Die mit einem * markierten Angaben sind Pflichtfelder.

Mein Borro Login

Mein Borro Login Neues Kundenkonto eröffnen
Vergessen?
Dieser Service erfolgt über eine sichere Verbindung.

Warenkorb

0  Artikel Ansehen

Newsletter & RSS-Feeds

Informieren Sie sich regelmäßig mit dem medienprofile-Newsletter und RSS-Feeds über aktuelle Empfehlungen und neue Rezensionen.

Buchprofile Express

...heißt bei uns medienprofile Vorschau. Jeden Monat neu besprochene Titel, über die wir Sie auch mit dem medienprofile-Newsletter informieren.