Und wieder eines dieser Beispiele, wo sich inmitten eines dicken, lesenswerten Romans in einem kleinen Seitenstrang, kaum fünf von über fünfhundert Seiten, eine wunderschöne kleine Geschichte mit einem beeindruckenden Satz auftut. Inmitten der studentischen Suche nach einem Platz im Leben, bei sehr viel try and error, steht die bescheidene Miniatur über die Bekanntgabe der Nobelpreisverleihung an eine amerikanische Biologin. Über 35 Jahre baute diese ohne wissenschaftlichen Apparat Mais an und beobachtete die Pflanzen. Ihre Kollegen am Institut belächeln ihre unprätentiöse Art und fühlen sich davon gleichzeitig gestört. Ihre Kollegin treibt ungewohnten Aufwand um Zeit, Ruhe und Gelassenheit. Doch auch ihr Ergebnis zählt: Der Nobelpreis gilt Erforschungen der Gegenübertragung, die die alte Dame überzeugend und wegbahnend platzieren konnte. Und doch ist für sie die Auszeichnung nicht der Lohn jahrelanger Arbeit: "Ihr Lohn war die Arbeit selbst, der aus zahllosen unbemerkenswerten Tagen bestehende Lohn." (S. 276) Und was sagt der Satz über die Lebenssinnsuche der Protagonistin Madeleine? Dass in der Beziehung zu ihrem manisch-depressiven Partner ihre Lebensaufgabe stecken kann? Dass es sich lohnt, den gängigen Mustern der Gesellschaft, der eigenen Eltern zu widerstehen und einen eigenen Weg zu wählen? Eine Antwort auf die Frage fand ich nicht. Aber der Satz ist es wert, weiter danach zu suchen. (Pit)