Augustin Feinlein, hoch geachteter Chef eines Landeskrankenhauses, kurz vor dem altersbedingten (Ab-) Gang in das Leben nach der Erwerbsarbeit, hält nicht nur die Erinnerungen an seinen Vorfahren, Abt eines bedeutenden Klosters, sondern gerade auch an Augustinus hoch: „Es ist das Gegenteil von Hilfe, wenn selbst mein heilig gesprochener Namenspatron in seinen Bekenntnissen gesteht: Trotzdem heilte jene Wunde nicht, die mir die Trennung von meiner früheren Geliebten geschlagen hatte. Hoffnungslose Qual erfüllte mich.“ Und wenn kein Geringerer als Martin Walser in dieser Novelle die Jenseits-Thematik ausdrücklich anspricht, der Text als eine Art Prolog auf einen kommenden Roman auch noch in einem für den Autor ungewohnten Verlag erscheint, dann kündigt sich hier Neues an. Die für die Texte des Autors noch ungewöhnliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Glauben, Tradition und Ausformung des religiösen Lebens seiner Vorbilder, lässt noch Sprachkräftiges zu dieser Thematik erwartet. Nach dieser ersten Novelle – mit einem eindrucksvollen Widmungstext des Mystikers Jakob Böhme – darf ich mich auf starke Worte dieses Autors einstellen, die kaum noch in die bisherigen Erfahrungswelten passen werden. Oder wird der Autor selbst erschrecken und dieses erste Pflänzlein alleine lassen? (Pit)