Kristof Magnusson erzählt in „Das war ich nicht“ in erster Linie natürlich eine faszinierend einfache Erklärung des Börsencrashs: sehr finanzschwache Hauskäufer, die sich keine Sorgen über die Kritiklosigkeit der Banken über die Kreditunwürdigkeit der Geldnehmer machen. Und junge Börsenmakler, die Innenkenntnisse des Bankenwesens nutzen, um die Spuren eigener Fehlspekulationen zu verwischen – zumindest zeitweise. Für mich war dieser „Roman für eine Lesenacht“ jedoch eher ein Bekenntnis zur Macht von Verlagslektoren und Übersetzerinnen. „Du glaubst gar nicht, wie viele Autoren sich totfreuen würden, wenn du sie übersetzt. Wir haben da gerade einen neuen Inder. Inder gehen zurzeit total gut. Wir machen zusammen einen neuen Star.“ (S. 280). Dieses Statement des deutschen Verlagslektors beendet die Zweifel der Übersetzerin des amerikanischen Starautors, der nun – nachdem er nur scheinbar beim Börsencrash sein gesamtes Geld verloren hat – keine Romane mehr schreiben will. Denn, so muss man diese Weisheit des Lektors wohl verstehen, an Autoren ist kein Mangel, aber auf erprobte Übersetzer, die gut verkaufte Texte aus ihrer Originalsprache stringent und formsicher in eine andere Sprachkultur übertragen können, greifen Verlage immer wieder gerne zurück. Eine schöne Liebeserklärung für diese wichtigen, meist weiblichen Akteure des Literaturbetriebs. (Pit)