24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Ich hätte das Duschen lieber gelassen.

aus "Der Vorleser" von Bernhard Schlink. Diogenes, Zürich 1997.

Seit dem großen Erfolg dieses Buches habe ich mich nicht wirklich verständlich machen können mit meinem Unbehagen gegenüber diesem Buch. Einerseits konnte ich mir schon nach der ersten Lektüre vor bald 15 Jahren nicht wirklich vorstellen, dass ein Vater ohne nachhaltiges Bohren hinnimmt, dass sein pubertierender Sohn jeden Tag eine bestimmte Zeit über weg ist. Und diese innige sexuelle Beziehung zwischen der Straßenbahnschaffnerin und dem Schüler war mir zudem suspekt. Aber ob des großen Themas Nationalsozialismus kam ich in der Diskussion über den „Vorleser“ nicht wirklich voran. Und jetzt lese ich während der Missbrauchsdiskussion diesen Satz „Ich hätte das Duschen lieber gelassen.“ (S. 33) Sicher ergibt sich aus dem Text eher, dass der Icherzähler auf das Duschen lieber verzichtet hätte, um direkt „zur Sache“ zu kommen. Und auch beim erneuten Lesen sehe ich nicht wirklich Textpassagen, die auf eine Missbrauchserzählung schließen lassen. Aber nun sehe ich, wo mein persönliches Unbehagen gegenüber diesem Text liegt. Er erzählt von einer fast konstant unausgewogenen Beziehung zwischen Ungleichen. Und wir haben in der Rezeption – so sehe ich es nach wie vor – über die Aspekte der Nutzung jugendlicher Vitalität, sei es in sexueller Hinsicht oder auch mit Blick auf die Überlegenheit bezüglich der Lesefähigkeit, hinweggeschaut. (Pit)

meinsatz

In dieser regelmäßig erscheinenden Kolumne hält Rolf Pitsch fest, was bei und nach der einmaligen oder mehrmaligen Lektüre von einem Text besonders in Erinnerung blieb und im Leserkopf weiterwirkt.

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Der Vorleser

von Bernhard Schlink
DIOGENES(1997)
Taschenbuch
Ausgezeichnet mit dem Evangelischen Buchpreis, Kategorie Roman, 2000 und dem WELT-Literaturpreis 1999. Roman ISBN-10: 3257229534 ISBN-13: 9783257229530 MedienNr.: 130378 9.90 €
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