Als ich über diesen Satz weit vorn in der ‚wahren Geschichte eines russischen Waisenkindes’ stolperte, ahnte ich noch wenig von seiner Sprengkraft. Adela, die Leiterin des Moskauer Babyhauses 10, „hatte ihre ganze Kraft in die Einrichtung dieser Kapelle gesteckt, und damit betrachtete sie alle Bedürfnisse der Kinder als gestillt. Endlich war klar, worum es ihr in erster Linie ging: die Seelen der Kinder zu retten.“ (S. 49) Und dann entfaltet sich die wohl wahre Geschichte des russischen Kindes Wanja, das jetzt von einer Amerikanerin adoptiert als John Lahutsky mitten im Studium steckt. Hätte Autor und Tageszeitungsjournalist Alan Philps dem Drängen seiner Frau nicht nachgegeben, ginge es Wanja heute so wie vielen Kindern, die ihren Eltern (aus falsch verstandener Fürsorge?) weggeholt und in Babyhäuser weggesperrt werden: ohne persönliche Förderung, ohne genügende ärztliche Versorgung, mangelnde Ernährung. Aber abgesehen von der Geschichte Wanjas und all der anderen Kinder: Das Buch ist wesentlich auch die Geschichte der Frauen, die mit der ‚Betreuung’ der Kinder einen kargen Lebensunterhalt verdienen. Unter diesen ist Adela sicher sogar noch eine Ausnahme, da sie neben dem Irdischen auch noch an andere Bedürfnisse der ihr Anvertrauten in den Blick nimmt. Offensichtlich ungenügend. Die mühevoll eingerichtete Kapelle hilft, wenn ich dem Buch trauen will, vor allem ihr selbst. (Pit)