Von manchen Menschen, Moden, Publikationen geht eine besondere Faszination aus. Diese umgab auch die Jugendbeilage der Süddeutschen Zeitung „Jetzt“, die inzwischen auch aus Kostengründen eingestellt wurde. Andreas Bernard hat „Jetzt“ mit seinem Roman „Vorn“ ein Denkmal gesetzt: „Das Heft schien, wie sein Name ja auch behauptete, tatsächlich ganz auf der Höhe der Zeit zu sein, war wie ein verlässlicher Indikator der Gegenwart, der auf seine Leser große Anziehungskraft ausübte.“ (S. 39) Diese Grundstimmung erfasst auch den Hochschulabsolventen Tobias, nachdem er – noch ohne Orientierung für seine nächsten Lebensstationen – die Redaktion zum ersten Mal besucht. Und nachdem erste Texte gut angenommen wurden, erhält er die Chance zur regelmäßigen, dann festen Mitarbeit. Was er kaum merkt: Sein Aufgehen in dieser Redaktionswelt der „Jetzt“ alias „Vorn“-Mannschaft entfremdet ihn von wirklichen Leben, seiner eigenen Herkunft. Seine Freundin, mit er lange Zeit in einem Betreuerteam eines Übergangswohnheimes ehrenamtlich engagiert war, wird ihm zunehmend fremd. Sie und seine Beziehung zu ihr passen in seine neue Welt nicht. Und er braucht lange Zeit, bis er die Wirklichkeitsferne seines neuen Freundeskreises entdeckt. (Pit)