Allein die erste Strophe genügt als Denksatz für viele Tage: „Der schwarze Himmel/ausgewrungen/bis zum Knirschen -“. (S. 34) Es ist ein Satz für all diese Tage, an denen ich den Eindruck habe, es kommt immer noch ein Stückchen mehr auf die manches Mal doch bereits wirklich ausreichend vorhandenen weniger guten Nachrichten. Das Dunkle dominiert nicht allein durch seine fehlende Farbigkeit, die auch an schlechten Tagen über eine schlechte Grundstimmung hinweghelfen kann. Nein, „der schwarze Himmel“ ist auch noch bis zum Knirschen „ausgewrungen“. Nichts scheint mehr zu gehen. Doch auf diese erste Strophe lässt der Lyriker Ludwig Steinherr in einem zweiten Dreizeiler eine unverhoffte Wendung folgen: „Auf Glasscherben/keimen Tropfen/von Licht“. Nehmen die Glasscherben noch den zerstörerischen Zustand der ersten Strophe auf, so kommt dem Verb „keimen“ das Wendesignal zur Hoffnung zu. Die Tropfen auf dem zerstörten Glas spiegeln mit dem Licht auch Veränderungen am Himmel wider. Sechs Zeilen fangen die gesamte Spannung des Lebens, von der Hoffnungslosigkeit bis zur erkennbaren Hoffnung, ein. Solche Hoffnungsgedichte zeitgenössischer Autoren, gesammelt aus Anlass des 2. Ökumenischen Kirchentages unter dem Motto „Damit ihr Hoffnung habt“, zeigen die Sprachkraft von Literaten und ihre Hoffnung, die „weder Fahrkarte noch Visum“ braucht, wie es im Vorwort dieser Anthologie heißt. (Pit)