Unabhängig davon, ob die mehr oder weniger begründeten Spekulationen in den Literaturbesprechungen sich bestätigen, nach denen Natan Dubowizki das Pseudonym für den real existierenden Kreml-Politiker Wladislaw Surkow ist: Dieser Roman offenbart viel über das Seelenleben des Wahlvolkes mehr als 200 Jahre nach der Aufklärung. Über das Verhalten der Masse schreibt der Autor: „Die Bürger drängten sich lieber im dunklen Schlamm an den verschmutzten Ufern, hielten sich im Seichten auf, wühlten im Trüben zwischen Gerüchten und Aberglauben und waren mit keinem Zuckerbrot von dort in die Mitte zu locken, wo frei und ruhig das weiße Licht strömte." (S. 46) Sicher geht es in diesem als „Gangsta Fiction" bezeichneten Roman um das politische Leben Russlands nach dem Fall des Sowjetreiches. Und eindeutig prägt auch die tiefe, russische Seele der Hauptperson Jegor, der - sämtliche Urheberrechte ignorierend - als Ghostwriter Texte für Politiker und Neureiche gegen gutes Entgelt abliefert, diese wilde Geschichte. Aber unabhängig von diesen spezifischen konkreten Hintergründen, lassen sich die Erfahrungen Jegors - leider nicht nur fiktiv - auch gut auf westliche Demokratien übertragen. (Pit)