24.02.2012

Spurensuche

Wer sind sie, die Helden der Nachhaltigkeit? Was müssen die Figuren in den Geschichten heute tun, um die Welt zu retten? Kann man angesichts der überall herrschenden Unübersichtlichkeit der Verhältnisse überhaupt noch handeln, literarisch oder real? Welche Impulse gibt ein christlicher Schöpfungsglaube? Und kann so ein sachliches und eher abstraktes Thema überhaupt spannend aufbereitet werden und literarisch ankommen? [mehr]

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Eine Frau und ein Mann begegnen sich in einem Wellnesshotel. Sie möchte ein neues Videoprojekt realisieren, er sucht nach einem Weg aus der Schreibblockade. Beide haben unruhige Zeiten und manches Unbearbeitete und Nichtverdaute im Lebensgepäck. Durch wechselseitiges Beäugen, Begleiten in Gedanken ... weiter

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Eine väterliche Ohrfeige sei höchstens halb so schlimm…

aus "Roman unserer Kindheit" von Georg Klein. Rowohlt, Hamburg 2010.

Literarische Texte halten mir auch den gesellschaftlichen Spiegel vergangener Tage vor. Sie zeichnen nach, was in meiner eigenen Erinnerung vergraben ist. Und naheliegenderweise bedingen die aktuellen Diskussionen der Tage, in denen ich einen Roman lese, dass ich solche Spiegel-Hinweise mehr oder weniger gerne reflektiere. Georg Klein erzählt in seinem mit dem Preis der Leipziger Buchmesse 2010 ausgezeichneten „Roman unserer Kindheit" die Erfahrungen einer Kindergruppe in einer Neubausiedlung während ihrer Sommerferien in den sechziger Jahren. Und neben vielen anderen Hinweisen, wie familiäre Konflikte „geregelt" wurden, steht da auch dieser Satz: „Der Wolfskopf, den sein Vater regelmäßig haut, schwört bei Gott, eine väterliche Ohrfeige sei höchstens halb so schlimm, wie von Sybilles Mutter böse angeguckt zu werden." (S. 97) Vom Autor konnte man lesen und hören, dass er diesen Roman erst schreiben konnte, nachdem einige Personen aus dem autobiografischen Umfeld verstorben sind. Verstehen kann ich heute viele der Beschreibungen - laut Klappentext des Verlages „voll fiebrigem Witz und dunkler Einsicht" - nicht mehr. Oder vielleicht doch, wenn ich mir vergegenwärtige, dass die Väter dieser Kindheit meist mit ihren Kriegserfahrungen allein meinten klarkommen zu müssen? Und wenn ich mir verdeutliche, dass die Frauen dieser Kindheit mit den wenig sprechenden Männern und ihren eigenen Sehnsüchten den Alltag bewältigen mussten? So lese ich diesen Roman vor allem als Text der Solidarität dieser konkreten Kindergruppe, die miteinander die Konfliktregelungen eher beschwiegen. (Pit)

meinsatz

In dieser wöchentlich erscheinenden Kolumne hält Rolf Pitsch fest, was bei und nach der einmaligen oder mehrmaligen Lektüre von einem Text besonders in Erinnerung blieb und im Leserkopf weiterwirkt.

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Roman unserer Kindheit

von Georg Klein
ROWOHLT, REINBEK(2010)
Hardcover
Ausgezeichnet mit dem Preis der Leipziger Buchmesse, Kategorie Belletristik 2010 ISBN-10: 3498035339 ISBN-13: 9783498035334 MedienNr.: 329020 22.95 €
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