„ein satz mit zukunft?/ein satz jedenfalls/der jahre voraus ist/und du lebst/und du lebst/und du lebst vor dich hin/du beobachtest dich/und der satz beobachtet dich auch“. Warum eigentlich haben es Gedichte so schwer? Weil wir in der Schule manche von ihnen auswendig lernen mussten? Vielleicht kaufen auch nur wenige Menschen Gedichtbände, weil sie so schnell „zuende“ gelesen sein können. Beides stimmt für mich nicht: Gute Gedichte sind klar und damit immer auch ein Stück weit brutal, entwaffnend ehrlich. Als Leser kann ich schnell darüber hinweglesen. Ich muss mich von ihnen nicht erwischen lassen. Und es gibt ja immer wieder gute Gründe, sich nicht mit diesen kleinen – gegen manche Regeln verstoßende – Buchstabenansammlungen auseinander zusetzen. Wer aber immer mal wieder einzelne Gedichte notiert hat und später nochmals auf sie stößt, kennt die Erfahrung: Diese Notate halten oft auch später noch stand. Genau dann macht auch der Leser von Gedichten (oder einzelner Sätze) diese sehr konkrete Erfahrung: „und der satz beobachtet dich auch“. Er amüsiert sich zuweilen über seinen Leser, der ihn unbedingt in einer bestimmten Weise verstehen und damit festlegen will. Sicher sein will, dass der Schreiber des Satzes genau das vom Leser wahrgenommene und nichts anderes ausdrücken wollte. Dabei ist der Satz eine Einladung an den Leser, sich zu beobachten. (Pit)