Sehr weit sind wir mit all unseren Kommunikationsmöglichkeiten von dieser Wahrnehmungseinfalt entfernt: „Er kannte nur das Unmittelbare, spürte nur, was seine Sinne ihm mitteilten.“ (S. 7) T.C. Boyle konzentriert in der kleinen Erzählung „Das wilde Kind“ auf diesen Satz die Chancen des im Wald aufgefundenen Jungen, der – einer Legende nach – mit fünf Jahren ausgesetzt worden war. Ob der Autor mit der Formulierung „nur das Unmittelbare“ einen Mangel bezeichnen will? Oder will er mir als Leser seiner sonst doch sehr viel weitläufigeren Romane zu großen gesellschaftlichen Themen eher einen Hinweis auf das eigentlich Wesentliche geben? Eben „das Unmittelbare“? Während in der gesamten Erzählung alle Bemühungen gelehrter Menschen sich darauf konzentrieren, den Jungen an kulturellen Errungenschaften wie Sprache, Schrift oder Umgangsformen teilnehmen zu lassen, verbleibt dieser in seiner Unmittelbarkeit, nimmt nichts Zusätzliches auf. Dieses stoische Beharren auf dieser einen lebenserhaltenden Fähigkeit führt mich als Leser zur Frage, welche mittelbaren, nicht selbst durchlebten Erfahrungen mich im Leben weiterbringen. (Pit)