Es gibt Sätze, die Autoren ihren Romanen voranstellen, die mir mehr mit auf den Weg geben und mich länger beschäftigen als der ganze Roman. Und würde man diese Sentenzen meditieren, wäre der Lesegewinn dieser kurzen Hinweise vielleicht größer als der des folgenden Romans. „Nicht hinterließ mir der Vater Gefilde, mit kräftigen Stieren/Sie zu bepflügen, nicht wolletragende Herden noch Kühe./...Außer dem Wasser: Nur das kann mein väterliches Erbteil ich nennen.“ (S. 5). Norbert Scheuer hat der Brudergeschichte in der Eifel ein Zitat aus den Metamorphosen von Ovid (Drittes Buch, 585-590) vorangestellt. Und die auf Ovid folgenden 160 Seiten können noch manche Verwirrungen und Abschweifungen der beiden Brüder festhalten. Aber sein Text kommt an die Klarheit und Nachdrücklichkeit Ovids nicht heran. Die Brüder möchten das Vermächtnis des Vaters ergründen: den großen mythischen Urfisch, den der Vater in einem Eifelbach zu finden glaubte. Ihr Vater war bei allem Anglergeschick nicht erfolgreich. Eher im Gegenteil, mit seiner vernarrten Suche setze er seine Ehe und die Lebenshoffnungen seiner Kinder aufs Spiel. Doch den Söhnen hat er die Begeisterung für die Sehnsucht nach dem Urfisch hinterlassen. Und der Romanautor führte mich mit seinem Text nochmals zurück zu Ovid. (Pit)