„Das Einzige, was er wusste, war, dass die Zeit der Sicherheit und Geborgenheit, die Zeit des felsenfesten Vertrauens darauf, dass das Morgen die ungetrübte Fortsetzung des Heute sein würde, eines Heute voller Ehrgeiz, Verantwortungsgefühl, Liebe, Wohlstand, dass diese Zeit vorbei war, schon seit langem.“ (S. 45) Bram Mannheim denkt diese Gewissheit nicht im Heute der Weltwirtschaftskrise, sondern im April 2024 in Tel Aviv. Und bevor er diese Sicherheit in einen Gedanken packt, ist er als holländischer Jude nach Israel eingereist, hat studiert, eine vielversprechende Historikerkarriere gestartet. Für seine wissenschaftliche Laufbahn in Amerika gab er seine politischen Aktivitäten auf, die der Aussöhnung mit den Nachbarstaaten in Nahost dienten. Und setzt damit sein Familienglück aufs Spiel: Sein vierjähriger Sohn verschwindet spurlos und in der Folge seiner glücklosen Suche nach ihm, verlässt ihn seine Frau. Bis Bram Mannheim den zitierten Satz denkt, hat sich der Staat Israel wesentlich verkleinert. Inzwischen leben die Orthodoxen im nicht mehr zu Israel gehörenden freien Palästinastaat, weil in diesem auch Jerusalem liegt. Brams Gewissheit, dass das Heute im Morgen keine ungetrübte Fortsetzung mehr findet, mündet in eine Reise nach Afghanistan, wo er die Spuren seines Sohnes in einem Ausbildungslager für Selbstmordattentäter findet. Und seine Suche nach dem Erstgeborenen beginnt von Neuem. (Pit)