Mit den Texten von Herta Müller geht es mir ähnlich wie denen anderer Literaten, die Widerstand beschreiben: Ich traue mich nicht, sie zu verstehen. Denn was soll ich einem solchen Satz abgewinnen: „Albu würde einen Apfel in der Tasche ja nicht sehen. Ein grasig grüner Sommerapfel, auch wenn die frühen meist wurmig sind und voller Flecken wie Muttermale.“ (S. 180) Major Albu ist Offizier beim Sicherheitsdienst und er erwartet an diesem Donnerstag, Punkt zehn die Icherzählerin zum Verhör. Und wieder einmal wird er sie mit einem angedeuteten Handkuss begrüßen. Sie wird sich dieser Geste der Macht nicht entziehen wollen oder können, um die Gesprächssituation nicht ohne Not zu verschlechtern. Auf dem Weg zum Verhör geht die Icherzählerin ihre Hilflosigkeit, ihr Ausgesetzt sein und ihre vermeintlichen Vergehen durch. Sie versucht, sich auf ein Gespräch vorzubereiten, das keines sein wird. Sie denkt an ihre Erfahrungen von Solidarität und Ausgeschlossenheit in der Fabrik, als sie dort noch arbeiten durfte. Dass ihr Mann sich dem Alkohol ergeben hat, ist der Grund für ihre Flucht vor der Realität. Doch wirklich böse kann sie ihm deshalb auch nicht sein. Und was bedeutet dann diese Sehnsucht nach einem frischen Apfel? Sind die Muttermale die Narben, die sie von den Verhören davonträgt? Solche Sätze empfehlen sich nicht für eine Auflösung. Ihre Einfachheit dokumentiert Ohnmacht. Diese darf der Leser als Geschenk annehmen. (Pit)