Natürlich wird der Hinweis auf diesen Satz in Hanns-Josef Ortheils ‚Die Erfindung des Lebens’ nicht gerecht. Aber neben aller Begeisterung und Freude beim Lesen seines Romans, blieb gerade dieser Satz hängen: „Dann hielt sie während der Lektüre oft meine Hand, und ich wurde dann vollkommen ruhig und vollkommen aufgehoben in dem, was sie las.“ (S. 23) Sicher habe ich beim wiederholten Lesen dieses Satzes und mancher Textpassagen, in denen es um die lesenden Eltern, ihre Wertschätzung für Bücher oder um die Bearbeitung von Wirklichkeit durch Schreiben geht, oftmals tief durchgeatmet oder auch gen Himmel geschaut. Denn der Mangel an solchen Erfahrungen begegnet mir immer wieder, wenn es im Beruf um das Thema Leseförderung geht. Wenn neue Ideen gefragt sind, wie Lesemotivation geweckt werden kann, wie Leseerziehung heute gelingen kann. In solchen Momenten werde ich wohl in den nächsten Monaten häufiger von diesem Roman erzählen, der auf ganz besondere Weise vom Geheimnis des Lesens und von der Gemeinschaft der Lesenden erzählt. Denn eigentlich ist die Kulturtechnik Lesen für Kinder ganz einfach zu lernen: Ihre erwachsenen Begleiter müssen sich Zeit nehmen, ihnen vorlesen, selbst lesen, mit ihnen über Gelesenes sprechen – Vorbild sein. (Pit)