Mit Heinrich Bölls „Ansichten eines Clowns“ beginnt für Hilla rasch nach dem Start im Aufbaugymnasium eine neue Leseepoche. War schon der weitere Schulweg für das Arbeiterkind nach der Volksschule nur mit Hilfe der heimatlichen Autoritäten gegen den Willen der Eltern möglich, so halfen diese ihr letztlich auch, nach der Lehre doch noch auf die ‚höhere Schule’ zu gehen. Die Solidarität des Bruders beim Lateinpauken ermöglicht das Bestehen der Aufnahmeprüfungen. Und dann diese völlig neue Lektüreerfahrung, nach all den Klassikern. Ulla Hahn hält sie in dem zweiten Band einer Bildungsbiografie im Nachkriegsdeutschland eindringlich fest: „Ich lernte, gegen den Strich zu lesen. Hatte ich bislang in den Büchern nach Vorbildern gesucht, nötigten mir die Personen in diesem Buch eine neue Haltung ab: So nicht. Nicht ich. Nicht mit mir.“ (S. 58). Diese Erfahrung nötigt den Leser nicht nur dazu, Bölls Clown wieder einmal hervorzunehmen und neu zu lesen. Sie wirft auch das Scheinwerferlicht auf den Erkenntnishunger dieser Generation – und hinterfragt den eigenen. (Pit)