Es klingt vielleicht wie eine Häresie, wie ein vernichtendes Urteil über jede Form von engem Starren auf die eine Wahrheit: „Letztlich ist nicht mehr entscheidend, welcher Gruppe (Religion, Konfession, Kirche...) einer angehört, sondern nur, ob einer sich der absoluten Barmherzigkeit öffnet und danach zu leben versucht – bis hin zur Feindesliebe.“ (S. 13) Aber aus dem Munde (oder der Feder) von Elmar Gruber, des 1932 geborene Theologen und Pädagogen, hat diese auf das Wesentliche zielende Aussage Bestand. Alt und krank hat er in diesem Buch „Gott ist immer da“, wie er selbst schreibt, sein „Vermächtnis für alle“ aufgezeichnet. Und der zitierte Satz steckt bereits im Vorwort. Für mich ist mit ihm bereits der Höhepunkt des Buches erreicht. Alle folgenden Texte sind nur noch Strophen zur immer gleichen Grundmelodie. Und diese „Gott ist immer da“ bezeugt der Autor gerade auch in Alter und Krankheit. Und er wird selbst erlebt haben, dass spätestens durch die letzten Worte „bis hin zur Feindesliebe“ auch jeder Kritiker verstummt. Denn ohne diese Hürde, hat auch der vordere Satzteil keinen Bestand. Auch diese Gewissheit gehört zum Wunder der Weihnacht. (Pit)